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Für die embryonale Stammzellforschung braucht man Eizellen -
Gefährliches Verfahren der Gewinnung, viele ethische Probleme
ZENIT
ZG11081902 - 19.08.2011
http://www.zenit.org/article-23486?l=german
Von Dr. Edith Breburda*
MADISON, 19. August 2011 (ZENIT.org). - Die Forschung mit
embryonalen Stammzellen gilt nach wie vor als das Non plus Ultra
der modernen Medizin. Die sogenannten pluripotenten embryonalen
Stammzellen, die durch Zerstörung eines Embryos gewonnen werden,
besitzen rein theoretisch das Potential sich in alle 220 Zelltypen
des Körpers zu verwandeln. Forscher sind jedoch nach eigenen
Angaben noch weit davon entfernt, embryonale Stammzellen in Organ-
oder Nervenzellen zu verwandeln. Organe für Transplantate sind rar,
adulte Stammzellforscher sehen den kürzeren Weg zum erwünschten
Erfolg darin, adulte Stammzellen direkt in andere Körperzellen zu
verwandeln. Ein Schritt der in der Medizin bereits angewandt wird,
denn man hat festgestellt, dass auch adulte Stammzellen eine
gewisse Plastizität besitzen, die man bisher nur embryonalen
pluripotenten oder induzierten pluripotenten Stammzellen
zugeschrieben hatte. Bevor man jedoch die Differenzierung der
Zellen erforschen kann, egal ob man embryonale oder induzierte
Stammzellen heranzieht, muss man sehr viele Hindernisse überwinden.
Bei induzierten Stammzellen nimmt man ausdifferenzierte Organ- oder
Hautzellen und dreht die Uhr zurück, bis sie wieder fähig sind,
sich in alle 220 Zellen zu differenzieren. Allerdings wird die
Rückverwandlung der bereits ausdifferenzierten Zellen durch das
sogenannte epigenetische Gedächtnis blockiert. Diese Blockade zu
lösen ist fast unmöglich. Daher ist die Anzahl von induzierten
Zellen sehr klein.
Dr. Hwang aus Süd Korea, bekannt durch den größten
Forschungs-Skandal, nahm für seine Versuche frische Eizellen.
Forscher sehen darin die Überlegenheit der humanen embryonalen
Stammzellen gegenüber den „ethisch unbedenklichen" induzierten
pluripotenten Stammzellen. Die humane embryonale Stammzellforschung
benötigt humane Eizellen. Dr. Hwang wurde zu Fall gebracht, weil er
Eizellen „ethisch nichtakzeptabel" von Mitarbeiterinnen gewonnen
hatte.
Bioethiker der USA streiten sich darum, ob man Eizellspenderinnen
vergüten solle oder nicht. Eine Eizellenentnahme ist sehr
aufwändig. Die Eizell-Spenderin verbringt etwa 50 Stunden in
ambulanter Behandlung mit Bluttests, Ultraschalluntersuchungen,
Hormon-Injektionen und am Ende mit der nicht ungefährlichen
Eizellentnahme. Die Eierstöcke werden mit Follikel-stimulierenden
Hormonen angeregt. Dabei reifen mehrere Eizellen heran. Mit
zunehmender Stimulation nehmen allerdings auch die Komplikationen
zu, wie z. B. das lebensbedrohliche Hypersimulationssyndrom, das
bei der Spenderin zu Nierenversagen, Thromboembolien,
Atembeschwerden, Unfruchtbarkeit und Tod führen kann. Mit hohen
Hormongaben werden mehr Eizellen mit Chromosomenanomalien gebildet.
Angestrebt wird eine Stimulation die zu 10-15 Eizellen führt. Judy
Norsigian, die Direktorin einer US-Frauen-Gesundheitsorganisation,
genannt „Our Bodies Ourselves", ist besorgt, dass man Spenderinnen
alle diese Risiken verschweigt, aus Angst, dass sich weniger
freiwillige Spenderinnen melden (Breburda, Promises of New
Biotechnologies, Kindle Amazon Ebook, 2011).
Wissenschaftler versuchen seit langer Zeit, Ei- und Samenzellen im
Labor herzustellen. Nicht nur, um fundamentale Fragen der
Reproduktionsmedizin besser zu verstehen, sondern auch, um neue
Wege zu gehen, um unfruchtbaren Paaren zu helfen, oder auch, damit
die Stammzellforschung nicht mehr von Spenderinnen abhängig ist. Am
4. August 2011 veröffentlichte das Science Magazin einen Artikel
von D. Normille mit dem Titel: „Sperm Made (Mostly) in a Dish
Produce Normal Mice." Embryonale und induzierte Stammzellen können
sich theoretisch auch in Ei- und Samenzellen umwandeln. Viele
Wissenschaftler hatten bei diesen Umwandlungs-Experimenten in den
letzten Jahren allerdings keinen Erfolg.
Jetzt ist es einem Team der Kyoto Universität in Japan gelungen,
einen Weg zu finden, Mäuse-Samenzellen aus embryonalen Mäusezellen
zu gewinnen, welche erfolgreich Nachwuchs erzeugten. Diese
Forschungsergebnisse könnten in ferner Zukunft dazu führen, die
männliche Unfruchtbarkeit einzudämmen, berichtete Mitinori Saitou,
der Chef des Kyoto-Teams. Ei- und Samenzellen entwickeln sich aus
sogenannten Keimzellen, die schon in einem sehr frühen Stadium im
Embryo vorhanden sind. Zu embryonalen Stammzellen gaben die
Forscher ein Gemisch aus Eiweißen und Wachstumshormonen, um
keimzellenähnliche Zellen zu gewinnen. Diese Keimzellen wurden in
den Hoden von unfruchtbaren Mäusen gepflanzt und daraus
entwickelten sich normale Samenzellen mit denen man Mäuse-Eizellen
befruchtete und in Leihmuttertiere pflanzte. Die daraus
entstandenen Mäuse waren fähig, sich weiterhin fortzupflanzen.
Saitou erklärte, dass noch viele Hürden zu überwinden seien.
Letztendlich wolle man auch Eizellen im Labor züchten. „Wir müssen
sehen, ob unser Mäuserezept auf den Menschen übertragbar ist",
erklärte Saitou. Die bisherige Praxis zeigt jedoch, dass viele
Experimente nur bei der Maus gelingen, aber niemals bei Menschen.
Hinweise zur Autorin:
*Die Autorin ist als Biomedizinexpertin in Madison, der Metropole der US-Stammzellenforschung, tätig. Im deutschen Sprachraum veröffentlichte sie neben der Autorentätigkeit für die Lebensschutzorganisation ALfA unter anderem das Buch. Edith Breburda: Die Verheißungen der neuesten Biotechnologien, Stein am Rhein, Christiania Verlag 2010.
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