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Skandinavische Verhältnisse - Schwedische Kleinkindbetreuung vorbildhaft auch für deutsche Politik?

Der folgende Artikel stellt eine Zusammenfassung eines längeren Artikels von Jonas Himmelstrand auf http://www.mercatornet.com/articles/view/outsourcing_parenting_in_sweden/ dar. Das "schwedische Experiment" zeigt, dass die Übertragung der Aufgabe der Kindererziehung von den Eltern auf den Staat kein Erfolgsrezept ist - auch wenn viele deutsche Politiker das denken.

Seit 1975 gibt es in Schweden ein umfassendes, hoch subventioniertes Kleinkinderbetreuungssystem. Rund 15.000 EUR kostet jeder Betreuungsplatz, den über 90% aller Kleinkinder über 16 Monaten wahrnehmen. Parallel zur umfassenden Kleinkinderbetreuung ist in Schweden der Anteil der Kinder und Jugendlichen mit psychosomatischen und psychologischen Problemen überproportional gestiegen – und zwar stärker als in 11 vergleichbaren europäischen Ländern. So hat sich z.B. bei Mädchen in den letzten 25 Jahre die Rate der Kinder mit psychosomatischen / psychologischen Problemen verdreifacht. Gleichzeitig ist Schweden in den OECD-Bildungsranking von einem der Top-Plätze ins Mittelfeld zurückgefallen. Verhaltensauffälligkeiten in schwedischen Klassenräumen zählen zu den schlimmsten in Europa. Zufall? Oder Auswirkung des umfassenden Ganztagskinderbetreuungssystem? Weil trotz der hohen staatlichen Subventionierung der Kinderbetreuung die Betreuungsquoten immer schlechter werden und mit der hohen Belastung durch Vollzeitberufstätigkeit die Eltern auch die Fähigkeit verlieren, ihre Kinder selber zu erziehen, zeigen immer mehr Kinder Verhaltensauffälligkeiten. Denn schwedische Kinder erfahren immer weniger Grenzen. Eine von der EU finanzierte Studie zeigt, dass dies auch für viele schwedische Mittelklassefamilien gilt.

Waren zu Beginn des staatlichen Kinderbetreuungsprogramms durchschnittlich je Gruppe noch vier Erwachsene für 10 kleinere Kinder bzw. ein Erwachsener für 5 größere Kinder zuständig, sind es nach der Wirtschaftskrise vor 20 Jahren nun 17 jüngere Kinder auf drei Erwachsene und ein Erwachsener für 10 ältere Kindergartenkinder. Krankheitsausfälle werden nicht mehr ersetzt. Mehr und mehr Schweden wünschen sich alternativ zum umfassenden, hoch subventionierten Ganztagskleinkinderbetreuungssystem die Möglichkeit, ihre Kinder in den ersten drei oder vier Jahren zu hause zu erziehen. Das aber ist aufgrund der hohen Steuerlast, einer direkten Folge der teuren Kinderbetreuung, nicht möglich. Direkt zahlen die Eltern nur einen symbolischen Obulus – aber indirekt bezahlen sie über die hohen Steuern den hohen Preis, ihre Kinder in der Kita abgeben zu müssen.

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