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CDL - News
Seele des ganzen Volkes in Gefahr
Deutscher Bundestag diskutiert Präimplantantionsdignostik (PID)
WÜRZBURG, Montag 18. April 2011 (ZENIT.org/Tagespost). – Der Antrag
der Befürworter des PID-Verbots bei der Debatte zur
Präimplatantionsdiagnostik im Deutschen Bundestag habe einen
gesellschaftlichen „Selbstmord auf Raten zur Folge“, so der
Leitartikel in der Tagespost vom 15.4.11.
Von Stefan Rehder
Die alltäglichste Art, „heute „Selbstmord zu begehen“, sei jene,
„sich eine Kugel durch die Seele zu schießen“, schrieb der
kolumbianische Philosoph Nicolás Gómez Dávila in seiner
Aphorismen-Sammlung „Das Leben ist die Guillotine der Wahrheiten“.
Was für die Seele des Einzelnen gilt, gilt selbstverständlich auch
für die Seele eines ganzen Volkes. Und wer die Bundestags-Debatte
zur Präimplantationsdiagnostik (PID) verfolgt hat, der konnte sich
nur wundern, wie locker manchem Volksvertreter da der Finger am
Abzug sitzt.
Obwohl zahlreiche Redner unterschiedlichster politischer Couleur
deutlich zu machen verstanden, dass eine Zulassung der PID nicht
nur diejenigen Embryonen betreffe, die Ärzte im Auftrag genetisch
schwer belasteter Paare „verwerfen“, um ihnen ihren verständlichen
Wunsch nach einem gesunden Kind zu erfüllen, verfingen die
Argumente nicht.
Weder der unleugbare Hinweis der ehemaligen Gesundheitsministerin
Ulla Schmidt (SPD), dass die PID auch die Würde des Kindes
verletze, das den Qualitätscheck erfolgreich übersteht, noch die
Mahnung des querschnittsgelähmten Abgeordneten Ilja Seifert (Die
Linke), die PID rüttele an Grundfesten einer solidarischen
Gesellschaft, die Menschen mit Behinderungen ein- statt
ausschließen müsse, hinterließen bei den Befürwortern der PID
erkennbare Wirkung.
Das ist umso bemerkenswerter, als die Befürworter eines PID-Verbots
alles unterließen, was bei anderen den Verdacht hätte nähren
können, sie suchten über die Hintertür des Embryonenschutzes die
geltende Abtreibungsgesetzgebung – die von vielen als ein Dogma
betrachtet wird – zu kippen.
Doch damit nicht genug: Wie die Debatte darüber hinaus aufzeigte,
genügt der favorisierte Hintze-Flach-Entwurf, der – obgleich er
anderes suggeriert – eine weitreichende Zulassung der PID vorsieht,
und den derzeit 215 der 620 Abgeordneten des Deutschen Bundestags
unterstützen, nicht einmal handwerklichen Anforderungen. Er steht
nicht nur im Widerspruch zum Gendiagnostikgesetz, mit dem der
Gesetzgeber unlängst Gentests verboten hat, mit denen nach
sogenannten spätmanifestierenden Krankheiten gefahndet werden kann.
Er würde, da er die Entscheidung, welche Erbkrankheit die
Durchführung einer PID rechtfertigt, an Ethikkommissionen
delegiert, auch zu einer unterschiedlichen Praxis in den einzelnen
Bundesländern führen.
Jedenfalls dann, wenn man davon ausgeht, dass die Ethikkommissionen
die entsprechenden Anträge tatsächlich prüfen und folglich auch
ablehnen können sollen. Er würde zudem all jene diskriminieren, die
nicht privat krankenversichert sind. Der Grund: Die der PID
vorausgehende In-vitro-Fertilisation (IVF) ist keine Regelleistung
der gesetzlichen Krankenkassen. Und dies nicht, weil die Kassen die
IVF aus ethischen Gründen ablehnten, sondern schlicht, weil deren
Verfahren ebenso teuer wie ineffizient sind.
Wer das professionell Erforderliche ebenso unberücksichtigt lässt
wie das moralisch Gebotene, trägt auch in einem weltanschaulich
neutralen Staat nicht zur Lösung von Problemen bei, sondern schafft
neue. Schlimmer noch: Auf absehbare Sicht wird so jedes Gemeinwesen
unregierbar. Das aber wäre Selbstmord auf Raten.

