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Heftige Kritik an 'Tod auf Bestellung'
Den Haag/Wetzlar (kath.net/idea) Die geplante Ausweitung der aktiven Sterbehilfe in den Niederlanden stößt bei Kirchenvertretern, Lebensrechtlern und Ärzten auf Kritik. In Den Haag soll am 1. März eine „Lebensendeklinik“ eröffnet werden. Sie ist für Patienten gedacht, denen ein Arzt den Wunsch nach aktiver Sterbehilfe nicht erfüllen will. Nach Angaben der „Niederländischen Vereinigung für ein freiwilliges Lebensende“ sollen dabei auch sechs ambulante Teams zum Einsatz kommen, die jeweils aus einem Arzt und einem Krankenpfleger bestehen. Sie sollen Betroffene zu Hause aufsuchen und dort die lebensbeendenden Maßnahmen durchführen. In den Niederlanden ist aktive Sterbehilfe seit April 2002 dann erlaubt, wenn ein Patient unerträglich leidet, aussichtslos krank ist und mehrfach um die Tötung gebeten hat. In den Niederlanden werden jährlich rund 2.500 solcher Euthanasie-Fälle bei den zuständigen Kommissionen gemeldet.
EKD gegen aktive Sterbhilfe
Der Vizepräsident im EKD-Kirchenamt, Friedrich Hauschildt
(Hannover), sprach sich angesichts der geplanten „Lebensendeklinik“
gegen aktive Sterbehilfe aus. Dahinter stehe die Vorstellung, dass
sich menschliche Selbstbestimmung auch auf den Anfang und das Ende
des Lebens erstrecke. Die Kirche könne diese Ansicht nicht teilen.
„Wir betrachten das Leben als Gabe von Gott, über die wir nicht
einfach verfügen können“, sagte Hauschildt am 9. Februar in einem
Interview mit ERF Medien (früher Evangeliums-Rundfunk). Mit
Zulassung aktiver Sterbehilfe in den Niederlanden vor zehn Jahren
sei ein Damm gebrochen. Bislang seien Ärzte beauftragt, Leben zu
schützen. Wenn sie Leben beenden sollen, habe das erhebliche
Konsequenzen für ihr Selbstverständnis. In Deutschland beteilige
sich die Kirche aktiv an vielen Orten an der Errichtung von
Hospizen. Viele Kirchenmitglieder engagieren sich ehrenamtlich in
solchen Einrichtungen. So trage die Kirche dazu bei, dass die Frage
nach Sterbehilfe nicht aufkomme, so Hauschildt.
Kultivierte Form der Barbarei
Die Bundesvorsitzende der „Christdemokraten für das Leben“ (CDL),
Mechthild Löhr (Königsten/Taunus), bezeichnete die Einführung der
ambulanten Sterbehilfe als „Tod auf Bestellung“ und als
„kultivierte Form der Barbarei“. Der Tod werde kommerzialisiert. Es
bestehe die Gefahr, dass es ein „Jedermann-Angebot“ werde, sagte
Löhr der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Es sei
erschreckend, dass die ambulante Sterbehilfe als Fortschritt
angepriesen werde. Dabei sei genau das Gegenteil der Fall. Löhr
sprach sich stattdessen für den Ausbau der ambulanten
Hospiz-Dienste und der Palliativversorgung in ganz Deutschland aus.
Heute könnten bereits 97 Prozent aller Schwerstkranken in
Deutschland schmerzfrei und würdevoll sterben. Der Wunsch zu leben,
hänge von der Betreuungsqualität ab. Löhr: „Menschen wollen an
ihrem Lebensende die Liebe spüren.“
Ausbau von Palliativstationen gefordert
„Eine fürsorgliche Medizin am Lebensende ist die deutsche
Alternative zur aktiven Sterbehilfe, wie sie in den Benelux-Staaten
erlaubt ist“, sagte der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Rudolf
Henke, in Düsseldorf. Es bleibe seine tiefste Überzeugung, dass das
Töten nicht ins Handwerkszeug von Ärzten gehöre. Es dürfe kein
gesellschaftliches Klima entstehen, das Sterbehilfe für Menschen,
die Angst vor körperlichen Schmerzen, seelischen Nöten oder
Vereinsamung haben, zum Mittel der Wahl mache. „Unser Ziel ist es,
dass niemand unter Symptomen wie Schmerzen, Atemnot oder Übelkeit
leiden muss oder sich am Lebensabend alleingelassen fühlt“, so
Henke. Beim Ausbau von Palliativstationen, Hospizen und der
ambulanten Palliativversorgung habe es gerade in
Nordrhein-Westfalen in den vergangenen 20 Jahren große Fortschritte
gegeben. Henke beklagte, dass immer noch viele Schwerstkranke und
Sterbende von den Angeboten nicht erreicht würden.
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