Kinder unerwünscht ? 

01. Sep. 2003
Jung und Alt in Deutschland
Die schiefe Bahn der Demografie
Generationenvertrag

Kinder unerwünscht?  "Droht uns die politische Alters-Sklerose?" 
Immer weniger Ehepaare mit Kindern

1991 registrierte das Statistische Bundesamt in Deutschland 19,5 Millionen Ehepaare. Während die Zahl der Ehepaare in der Gesamtbevölkerung - 2002 wurden 19,3 Millionen statistisch erfaßt - in der zurückliegenden Dekade annähernd gleich blieb, hat sich das Verhältnis von Ehepaaren mit Kindern zu Ehepaaren ohne Kinder dramatisch verändert. 

Von den 19,5 Millionen Ehepaaren des Jahres 1991 hatten 11,1 Million (56,9 Prozent) Kinder. Im Jahr 2002 sank der Anteil der Paare mit Kindern an der Gesamtzahl der Ehepaare auf 49,7 Prozent und lag damit unter der Zahl der Kinderlosen Ehepaare. Während 1991 noch die Zahl der Ehepaare mit Kindern um 270.000 über der Zahl der kinderlosen Ehepaare lag, übersteigt die Zahl der kinderlosen Paare nun die Zahl der Paare mit Kindern um 100.000. 

Als "Implosivspirale" beschrieb bereits 1981 der international renomierte Demograph und Professor für neuere Geschichte an der Sorbonne, Pierre Chaunu, die damals schon in der industrialisierten Welt - herausragend in Deutschland - sichtbar werdende Entwicklung in seinem Werk: "Die verhütete Zukunft". "Ich machte mich lächerlich", stellte er in einem Vortrag am 23. Mai 1986 in Zürich, die Reaktionen auf die Warnungen vor dem "Absturz" einer diesen Weg beschreitenden Gesellschaft vor Augen, fest. Doch inzwischen, so Chaunu 1986, erblühten nicht die von den Propagandisten einer befreiten Sexualität verhießenen "Rosen", sondern "es kamen Chaunus Disteln." In dem "Laboratorium" der Prediger einer liberalisierten Sexualität "stellt Deutschland die Versuchskaninchen", formulierte er hart und stellte fest: "Die Generation der von der mit aller Medienmacht verbreiteten Verhütungsrevolution manipulierten jungen Frauen wird im Durchschnitt kaum mehr als ein Kind zur Welt bringen. ...Überall wütet ein neues Radikalverhalten: die völlige Verweigerung von Nachkommenschaft."

Die beständig weiter sinkende Geburtenrate in Deutschland veranlaßt 15 Jahre nach diesem Vortrag den bayerischen Familienforscher Wassilios Fthenakis zu der Feststellung, daß dieses "Phänomen jetzt ein Ausmaß erreicht, das ernsthafte Fragen für den Fortbestand des Sozialsystems aufwirft" und 'Die Welt' (14.01.01) zu der Frage: "Warum zeugen die Deutschen so wenig Kinder?" 

Bereits zwei Jahre zuvor hatte das Statistische Bundesamt in einer Pressemitteilung (08.10.99) verlautbart, daß "der Bevölkerungsanstieg in Deutschland (74.000 Menschen pro Jahr) ...allein auf Wanderungen zurück(geht)", ein "Bevölkerungswachstum nur durch Zuwanderungen" erfolge. Wie tief und nachhaltig die seit dem Ende der 60er Jahre erkennbaren Trends die Struktur der deutschen Gesellschaft bereits verändert haben und weiter verändern werden, offenbart der statistische Vergleich des Anteils der unter 20-jährigen mit der Zahl der über 60-jährigen in unserer Gesellschaft (siehe bei: Jung und Alt in Deutschland). 

Die heute mit Lösungsvorschlägen wie "Ganztagsschulen", "Computer an alle Schulen" und ähnlichen Vorschlägen geführte Diskussion um das schlechte Abschneiden deutscher Schüler im internationalen Bildungsvergleich (Pisa-Studie), bestätigt eine Grunderkenntnis, die Chaunu in seinem 1986 gehaltenen Vortrag wie folgt formulierte:
"Nur wenige erkennen allmählich, dass, je weniger zahlreich die Kinder sind, je weniger erwünscht und aus Bequemlichkeit der Erzeuger nur noch geduldet sie sind, sie desto weniger gebildet sein werden, und dass die Wurzeln von Wachstum, Entwicklung, schöpferischer Innovation gerade bei jenen durchgesägt werden, die das Erbe des großen Erfolges anzutreten haben."
rr/k - 01.09.03



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Die schiefe Bahn der Demografie
Generationenvertrag 
zur reflektierenden Vertiefung der Thematik siehe auch:
"Ulmer Denkschrift" und "Schwedische Denkschrift: Demokratie und 'freie' Liebe" (beide 1964) bei Life-Lobby
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