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Gleichberechtigung der Frau verlangt kein Gender-Mainstreaming
Vortrag von Dale O`Leary in Budapest im Rahmen der
Familienkonferenz der EU-Ratspräsidentschaft im Mai 2011
Über die Frage, wie der Fortschritt für Frauen aussieht, existieren
heute zwei ganz unterschiedliche Visionen. Beiden geht es um
Chancengleichheit, gleiche Bildung, gleiche Rechte. Dennoch stehen
beide Ansätze einander diametral entgegen. Ein besonderes Verdienst
des vorliegenden Vortrags ist die Erkenntnis, dass die gegenwärtige
Entwicklung hin zu Gender Mainstreaming keineswegs einfach nur den
Zeitgeist widergibt und damit quasi unausweichlich ist, sondern
hier die Entscheidung für eine Position zugrunde liegt, die von
radikal-linken Kräften mit Macht vorangetrieben wird.
In aller Deutlichkeit kommt auch zum Ausdruck, dass der Forderung
nach freier Abtreibung eine ganz bestimmte Einstellung zur
Sexualität zugrunde liegt, die derjenigen fundamental
entgegensteht, die Johannes Paul II. in „Liebe und Verantwortung.
Eine ethische Studie“ philosophisch-anthropologisch grundgelegt hat
und welche die Grundlage der kirchlichen Sexualmoral geworden ist.
Es gibt zu wenig Sex, so die Position der radikalen Linken.
Sexualität als augenblickliches Vergnügen, als Freizeitaktivität,
Sex ohne Bindung. In der Folge Verhütung und Abtreibung als
Selbstverständlichkeiten.
Die radikal-feministische Position, in den Theorien von Judith
Butler erstmalig formuliert, kämpft für die Aufhebung des
Geschlechts und wendet sich gegen die Zwangs-Heterosexualität, die
angeblich aus der geschlechtlichen Unterscheidung folge. Diese sei,
ebenso wie die Mutterschaft, eine rein soziale Konstruktion.
Dieser links-radikalen Position gegenüber steht eine zweite
Position, nämlich diejenige, die ihre Fundierung nicht in einer
Ideologie sucht, sondern in der Natur der menschlichen Person, so
wie sie durch die Vernunft erkannt werden kann. Diese Position geht
davon aus, dass Männer und Frauen unterschiedlich sind. Dies
zugrunde legend, fordert die Verwirklichung der Gleichberechtigung
der Frau eine Anerkennung ihrer spezifischen Eigenart und Berufung.
Für diese Berufung der Frau zur Mutterschaft spricht die Biologie
eine deutliche Sprache. Nur Frauen können schwanger werden und
Kinder zur Welt bringen sowie diese stillen. Ohne die Frau gibt es
kein neues Leben.
Diese Wesensmerkmale kommen im Übrigen auch einer kinderlosen Frau
zu.
Wenn sich auch selbstverständlich das Wesen der Frau nicht in der
Mutterschaft erschöpft, sondern die die Persönlichkeit viele
Facetten umfasst, so stellt doch die Mutterschaft einen wichtigen
Bereich dar. Diesen auszublenden bedeutet einen direkten Angriff
auf das Leben als Frau.
Völlig zu Recht weist die Autorin auf die Widersprüche hin, die
zwischen der Ablehnung der Mutterschaft durch den linken Feminismus
auf der einen und der Betonung des feministischen Elements durch
die feministische Bewegung, ohne die diese ja gar nicht denkbar
ist, besteht. Ja, es geht noch weiter, nicht nur Spezifika des
Weiblichen wie die Mutterschaft sollen nach dem Urteil des linken
Feminismus ausgeblendet und bekämpft werden, auch jeglicher
Unterschied zwischen den Geschlechtern darf gesellschaftlich nicht
nur nicht betont werden, sondern ist zu eliminieren. Das ist die
Perspektive des inzwischen auch bei uns stillschweigend zum
Leitprinzip allen politischen Handelns erhobenen Gender
Mainstreaming.
Auch scheinbar wissenschaftliche Studien sind nicht ideologiefrei.
Gerade in diesem Bereich wird ideologisch gearbeitet und werden
Belege für das gewünschte Ergebnis auch dann zitiert, wenn diese
wissenschaftlich so fragwürdig sind, dass sie die zu beweisende
Aussage nicht untermauern. Ganz offen spricht die Autorin von
ideologischer Manipulation, auf die all jene hereinfallen, die sich
auch im sprachlichen Ausdruck angepasst haben und nicht mehr von
Geschlecht, sondern nur noch von Gender sprechen.
Gender-Mainstreaming klingt heute harmlos, frauenfreundlich. Kaum
jemand macht sich allerdings bewusst, dass es hier um die Agenda
der radikalen Linken geht.
In der Logik dieser Position, deren Ziel die Erreichung absoluter
Gleichheit ist, müssen Frauen/Mütter zu gleicher Erwerbstätigkeit
notfalls gezwungen werden, indem ihr Bewusstsein entsprechend
verändert wird und indem auf Seiten der Arbeitgeber und der
Wirtschaft Frauenquoten und Ähnliches zur Norm werden. Dabei wird
ignoriert – und muss in der Logik dieser Position ignoriert werden,
dass Frauen zum Teil andere Wünsche haben und sie, wenn sie Mütter
sind, diese Aufgabe für sie prioritär ist. Dass damit Frauen
wiederum Opfer von Stereotypen werden, indem ihre tatsächlichen und
auch tatsächlich geäußerten Wünsche (s. etwa Studie Mouvement
Mondial des Mères - MMM) nicht berücksichtigt werden, ist die
Ironie dieser Betrachtungsweise. Freiheit, Wahlfreiheit heißt das
Stichwort, das auf der linken Agenda vollständig fehlt. Zu sehen
und auszusprechen, dass Unterschiede, was etwa den Umfang der
Teilnahme am Arbeitsleben oder auch den Verdienst betrifft, demnach
gerade nicht Ausdruck von Diskriminierung sind, würde die
Diskussion entscheidend weiterbringen. Die eigentliche
Herausforderung besteht nicht darin, in diesen Bereichen absolute
Gleichheit herzustellen, sondern vielmehr in der Verteidigung des
Rechtes der Frauen, Mutterschaft als primäre Berufung anzusehen.
Auch nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen spielt für die
Entwicklung des Kindes die Bindung die ganz entscheidende Rolle.
Das Gehirn eines Babys ist nicht etwas schon Fertiges, sondern es
entwickelt sich durch positive Erfahrungen im engen Umgang mit den
ihm vertrauten Personen, insbesondere der engsten Bezugsperson, im
Idealfall die Mutter. Der Wunsch von Müttern, Zeit mit ihren
Kindern zu verbringen, ist deshalb nicht etwas gesellschaftlich
Konstruiertes, etwas irrational in den Frauen Angelegtes, das es
auszurotten gilt, sondern beruht auf ihrer weisen Erkenntnis, dass
Kinder zu bekommen die wichtigste Leistung in einer Gesellschaft
darstellt.
Junge Frauen entfernen sich heute von der Gender-Perspektive. Die
Bedeutung der Mutterschaft für ein erfülltes Leben wird erneut
erkannt. Frauen erkennen, dass sie es sind, die den Preis für die
von der Linken propagierten sexuellen Freiheit zu zahlen haben. In
den Staaten Europas geht indes der Kampf um die Anerkennung der
Gender-Perspektive unverändert weiter.
Dale O`Leary ist Autorin des Buches „The Gender Agenda: Redefining
Equality“.
Dr. Friederike Hoffmann-Klein
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