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CDL - News
Die Woche für das Leben - eine soziale Woche? Blickwechsel einer zwanzig Jahre alten Initiative von Katholischer und Evangelischer Kirche
Ein Zwischenruf von Kurt J. Heinz
(MEDRUM) Heute beginnt die Woche für das Leben, einer Initiative
der Katholischen und Evangelischen Kirche in Deutschland. Welcher
Sinn ist dieser Woche zugedacht? Welche Rolle spielt sie? Wird sie
ihrem eigenen Anspruch gerecht?
Leben ist bunt, Leben ist vielfältig. Zum heutigen Leben gehören
der Sex-Shop von Beate Uhse genauso wie die Telefonseelsorge der
Kirchen oder auch das Main-Taunus-Zentrum in Sulzbach, ein
Einkaufszentrum vor den Toren Frankfurts, in dem ein kirchlicher
Raum der Stille keinen Platz finden darf, weil er angeblich nicht
zu einem modernen Einkaufszentrum passt, wie der Geschäftsführer
des Einkaufszentrums meint. Welchen Teil des Lebens also meint die
Woche für das Leben? Was passt zur Woche des Lebens?
Wer nicht weiß, was die Woche für das Leben aus Sicht der
Veranstalter Evangelische und Katholische Kirche bedeuten soll,
findet die Antwort in einem Wegweiser im Internetportal „Woche für
das Leben". Bei der inhaltlichen Vorbereitung zu den Themen der
Woche für das Leben können helfen, heißt es dort unter Links und
Informationen:
der Deutscher Hospiz- und Palliativ-Verband e.V.
der Bundesverband Deutsche Tafel e.V.
die Telefonseelsorge
der Borromäusverein e.V., Netzwerk für die Bücherarbeit,
die Freiwilligen- und Ehrenamtsplattform der Caritas Deutschland
die Ökumenische Tagung zum ehrenamtlichen Engagement in Kirche und
Gesellschaft
die Quartiersarbeit der Diakonie
die Woche des bürgerschaftlichen Engagements
der Deutsche Engagementpreis
das Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement
die Ehrenamtsakademie der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau
das Ökumenische Heiligenlexikon.
Wer dies liest, findet also vor allem Wegmarken für Ehrenamt und
bürgerschaftliches Engagement, aber auch für Bücherarbeit und
Heilige. Das Jahresthema 2011 bestätigt, daß es unter dem Motto
„Engagiert für das Leben: Einsatz mit Gewinn" um den
uneigennützigen, unentgeltlichen Einsatz für andere, um soziales
Engagement von Bürgerinnen und Bürgern gehen soll. Niemand wird
bestreiten wollen, daß dies wichtige Themen sind. Doch kaum jemand,
der nur dies wahrnimmt, kommt wohl auf die Idee, daß die Woche für
das Leben vor 20 Jahren aus ganz anderen Beweggründen eingeführt
wurde, nämlich um für das Recht des ungeborenen Kindes auf Leben
einzutreten. Ursprüngliches Ziel war es, sowohl innerkirchlich wie
in Öffentlichkeit und Politik den Schutz des ungeborenen Lebens
anzumahnen und vor der Akzeptanz der Abtreibung zu warnen. 1991
stand die Woche für das Leben folgerichtig unter dem Motto: „Schutz
des ungeborenen Kindes".
Auch heute noch sagt die Deutsche Bischofskonferenz zu dieser
jährlich wiederkehrenden Veranstaltungswoche: "Angesprochen ist
jeder, der sich mit aktuellen Fragen zum Lebensschutz auseinander
setzen möchte." Doch ist das so? Fühlt sich jeder angesprochen, der
sich mit dem Lebensschutz auseinander setzen möchte? MEDRUM stellte
diese Frage zum Beispiel Mechthild Löhr, der Bundesvorsitzenden der
Christdemokraten für das Leben. Löhr weicht der Antwort nicht aus.
"Nein!", lautet ihre klare Antwort mit Blick auf den Lebensschutz.
Mit dem Schutz des ungeborenen Lebens habe die Veranstaltung leider
kaum noch - wenn überhaupt - zu tun. Mit dem politisch bedingten
Positionswechsel zur Abtreibung im Jahr 1992, mit dem Abtreibung in
der Folgezeit nach Beratung straffrei gestellt wurde, hätten die
Evangelische und Katholische Kirche in der "Woche für das Leben"
immer seltener die Abtreibung oder gar ihre Verurteilung
thematisiert. Aus der Woche für den Schutz des ungeborenen Lebens
sei so etwas wie eine "Soziale Woche" geworden, so Löhr. Weder Löhr
noch andere Lebensschützer stehen in der Beweisnot, wie die
Empfehlungen der Veranstalter für die diesjährige Woche für das
Leben belegen.
Mechthild Löhrs Bedenken werden verständlich, wenn der Blick auf
die Realität des Abtreibungsgeschehens geworfen wird. Wie die
offiziellen Abtreibungsstatistiken jedem vor Augen führen, sind
alleine in den letzten 20 Jahren mindestens 2,5 Millionen
ungeborene Kinder getötet worden. Das entspricht fast der
Einwohnerzahl der beiden Millionenstädte Hamburg und München. Wird
die Dunkelziffer berücksichtigt, kommt vermutlich noch eine
stattliche Zahl weiterer Großraumstädte hinzu. Lebensschützer
werden nicht müde darauf hinzuweisen, daß die tatsächlichen Zahlen
noch um vieles höher liegen dürften, da viele Abtreibungen nicht in
die offizielle Meldestatistik eingehen oder von ihr erfasst werden.
Dennoch wird die massenhafte Tötung von ungeborenen Kindern nicht
einmal in der diesjährigen Woche für das Leben thematisiert. Auch
Beratung und Hilfe für schwangere Frauen in Notlagen sind kein
Thema. Die Ausrichtung der diesjährigen Woche für das Leben ist
symptomatisch für die Verdrängung des Themas, besonders in der
Evangelischen Kirche, die sich am staatlichen System der
Ausstellung sogenannter Beratungsscheine beteiligt, die zur
straffreien Abtreibung berechtigen.
Wie stark die Verdrängung um sich greift, zeigte eine Initiative
"Kinder sind eine Gabe Gottes", die vorschlug, das System der
Ausstellung von Abtreibungsberechtigungsscheinen in der EKD zur
Diskussion zu stellen und über eine Neuausrichtung der
Schwangerschaftskonfliktberatung nachzudenken, um schwangeren
Frauen und ihren ungeborenen Kindern wirksamer zu helfen (MEDRUM
berichtete). Obwohl diese Initiative von mehr als 30 Organisationen
und 20.000 Personen namentlich unterstützt wurde, war das Thema dem
Rat und der Synode der EKD nicht einmal eine Diskussion wert. Sie
waren also nicht einmal bereit, wenigstens ihre Ohren für den
schmerzhaften Tod ungeborener Kinder zu öffnen. Der "Ulmer Appell"
verhallte ungehört. Das Berechtigungssystem zur straffrei
gestellten Abtreibung sollte gar nicht erst nicht in Frage gestellt
werden. Auch die Katholische Kirche tat sich schwer. Sie stieg erst
2000 aus dem Beratungssystem für den Schwangerschaftsabbruch aus,
nachdem dazu ein ernstes Wort durch den gerade selig gesprochenen
Papst Johannes Paul II. aus Rom kam und hatte bis dahin ebenso
verdrängt. Die Themen der Woche für das Leben 2011 stehen in der
Kontinuität dieser Verdrängung.
In der Frage, wie mit dem Recht ungeborener Kinder auf Leben
umgegangen wird, gilt nicht die sonst oft so gerne beschworene
"Kultur des Hinsehens", sondern die "Kultur des Wegsehens".
Empathie für das schwächste Leben? Fehlanzeige. Mit Eiseskälte wird
es bei jedem Schwangerschaftsabbruch überwiegend auf Kosten der
Solidargemeinschaft "entsorgt". Die Solidarität mit den Kleinsten
der Kleinen hat keinen Vortritt. Die Kirchen marschieren hier
nahezu im Gleichschritt mit der Politik, die seit vielen Jahren
wegsieht. Sie sieht auch weg vom Auftrag des
Bundesverfassungsgerichtes, die Gesetzgebung zum rechtswidrigen,
doch straffreien Abbruch von Schwangerschaften auf ihren wirksamen
Schutz des Lebensrechtes zu überprüfen. In der Politik wie in den
Kirchen haben sich die Akteure - unter dem hier mehr als
unkritischen Auge der Medien - mit einem Zustand arrangiert, der
Jahr für Jahr zur massenhaften Tötung von ungeborenen Kindern
führt. Doch dieser Teil des Lebensalltages, der Vernichtung von
jüngstem Leben bedeutet, an dem es in Deutschland wie in kaum einem
anderen Land mangelt, ist kein Thema der Woche für das Leben. Vor
diesem Hintergrund betrachtet hat diese Veranstaltung nicht einmal
den Titel "Soziale Woche" verdient.
Wirklich sozial wird die Woche für das Leben erst, wenn das Leben
der Ungeborenen nicht ausgeklammert, sondern zum festen Bestandteil
jeder Woche für das Leben gemacht wird. Erst dann kann diese
Veranstaltung ihrem ursprünglichen Anspruch und Ausgangspunkt
wirklich gerecht werden.
Wer sich mit diesem Thema auseinandersetzen will, findet
Informationen unter:
Aktion Lebensrecht für Alle e.V. (ALfA): www.alfa-ev.de
Ärzte für das Leben e.V.: www.aerzte-fuer-das-leben.de
Christdemokraten für das Leben (CDL): www.cdl-online.de
Die Birke e.V.: www.diebirke.org
Durchblick e.V.: www.1000-kreuze.de
Helfer für Gottes kostbare Kinder: www.kostbare-kinder.de
Kooperative Arbeit Leben Ehrfürchtig Bewahren e.V. (KALEB):
www.kaleb.de
Juristen-Vereinigung Lebensrecht e.V.:
www.juristen-vereinigung-lebensrecht.de
Stiftung Ja zum Leben: www.ja-zum-leben.de
Treffen Christlicher Lebensrecht-Gruppen (TCLG): www.tclrg.de

