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CDL - News
Kardinal Meisner: Zusammenbruch der Ethik
Schleichende Entwicklung hin zu einer Kultur der Lebensvernichtung
FRANKFURT, Montag, 18. April 2011 (ZENIT.org/KNA) Eine schleichende
Entwicklung hin zu einer Kultur der Lebensvernichtung hat Kardinal
Joachim Meisner beklagt. Seit Jahren befinde sich die Gesellschaft
bei den Themen Sterbehilfe, Abtreibung und Embryonenschutz auf
einer „schiefen Ebene", schreibt der Kölner Erzbischof in einem
Beitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung". Allmählich
vollziehe sich so „der Zusammenbruch der Ethik des Grundgesetzes,
die sich der jüdisch-christlichen Auffassung vom gottebenbildlichen
Menschen verdankt".
Aus der Sicht des Kardinals steht am Anfang dieser Entwicklungen
stets „eine für die Grenzüberschreitung aufgeschlossene Atmosphäre"
aus scheinbar harmlosen Motiven. So sei mit Verweis auf das Leid
ungewollt kinderloser Paare die künstliche Befruchtung erfunden
worden. Bedenklich sei es erst geworden, als bekannt wurde, dass
nicht verwendete Embryonen tiefgekühlt oder zerstört werden.
Inzwischen gebe es die Möglichkeit, behinderte Embryonen mittels
Gentests zu selektieren und zu vernichten. Dahinter stehe die
Frage: „Warum soll man einen Menschen, den man durch künstliche
Befruchtung 'produziert' hat, nicht frühzeitig auf seine
Produktqualität testen?"
Auch beim Thema Abtreibung sei es zunächst um die Notlage von
Frauen gegangen. Inzwischen werde die Abtreibung aber wie ein
Verhütungsmittel eingesetzt. Zugleich sei auch hierbei die Tötung
Behinderter immer weiter fortgeschritten. Kardinal Meisner
wörtlich: „Dafür gilt nun in Deutschland eine Hasenscharte als
ausreichender Grund, ein Kind mit medizinischer Indikation noch im
Geburtskanal mit einer Kaliumspritze ins Herz zu töten. Dieser
Eingriff ist Kassenleistung."
Eine Radikalisierungstendenz sieht Meisner auch bei der sogenannten
Sterbehilfe. Anfangs sei es um einige „Extremfälle" von Menschen
gegangen, die nicht mehr leben wollten. „Dann gab es den Ruf nach
dem Recht auf Euthanasie, wenn ein Mensch das will." Mittlerweile
gebe es etwa in den Niederlanden dank eines liberalen
Sterbehilfegesetzes nicht mehr genügend Schmerztherapien. Dafür
würden pro Jahr aber „etwa 900 Menschen im Jahr mit
Kommissionsbeschluss totgespritzt", ohne zugestimmt zu haben.
Solche vermeintlichen Fortschritte seien in Wahrheit Rückschritte
und das Resultat der Rückkehr eines Heidentums in moderner Gestalt,
schreibt Meisner. Das Christentum stehe dagegen für das Mitleid.
Der Kardinal appellierte besonders an Ärzte, „dass manchmal ein
Schritt zurück von der schiefen Ebene ein Fortschritt sein kann".

