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Familie und Gender

 

Das Familienverständnis entfernt sich in der westlichen Welt immer mehr vom christlichen Weltbild, einhergehend mit einem "neuen" Geschlechterverständnis, für den Normalbürger kaschiert hinter dem Begriff "Gender".

Aktuell

Ergebnis der Statistik "Lebensformen in der EU27": Drei von vier Kindern in der EU27 lebten im Jahr 2008 mit verheirateten Eltern zusammen. Eins von sieben Kindern lebte in einem Einelternhaushalt

Im Jahr 2008 lebten 74% der Kinder in der EU27 mit verheirateten Eltern zusammen, während 14% in einem Einelternhaushalt wohnten und 12% in einem Haushalt mit Eltern, die in einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft lebten. In allen Mitgliedstaaten war das Zusammenleben in einem Haushalt mit verheirateten Eltern die häufigste Lebensform für Kinder unter 18 Jahren.

Diese Daten über Lebensformen in den EU Mitgliedstaaten stammen aus einem Bericht, der von Eurostat, dem statistischen Amt der Europäischen Union, veröffentlicht wird. Während in dieser Mitteilung die Lebensformen von Kindern sowie von Männern und Frauen im Alter von 65 Jahren und älter dargestellt werden, umfasst der Bericht ein breiteres Spektrum, einschließlich Mehrgenerationenhaushalte und junge Erwachsene. Hier gibt es weiterführende Informationen:

http://europa.eu/rapid/pressReleasesAction.do?reference=STAT/11/156&format=HTML&aged=0&language=DE&guiLanguage=en weiter
Die Politik legitimiert ihre Entscheidungen gern durch Forschungsergebnisse.
Warum es sich für den Bürger trotzdem lohnt, genau hinzuschauen, zeigt das Beispiel Familienförderung.

Von Birgit Kelle und Maria Steuer

Im Zwei-Jahres-Rhythmus durchforstet die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) das statistische Material zum weltweiten Stand von Familie und Geburtenrate; Studien wie "Doing better for children" (2009) oder "Doing better for families" (2010) werden gern zur Begründung politischer Maßnahmen herangezogen und sind als wissenschaftlicher Gradmesser anerkannt. Maria Steuer und Birgit Kelle, beide in Familien- und Frauenverbänden aktiv und keine Anhängerinnen der aktuellen Familienpolitik, haben die jüngste Studie einer genaueren Prüfung unterzogen. Ergebnis: In Teilen widerspricht diese Studie von 2010 der von 2009 - allein deshalb, weil die Interessen von Frauen, Familien und Kindern nicht immer deckungsgleich sind. Fazit der Autorinnen: "Wie am Ende entschieden wird, ist nicht Wissenschaft, sondern Politik."

1. Ein einhelliges Ziel

Studie: In den OECD-Ländern sind im Durchschnitt knapp 60 Prozent der Frauen erwerbstätig. Wo immer die Frauenerwerbsquote bei diesem Wert oder darüber liegt, wachsen vergleichsweise wenige Kinder in Armut auf. Die OECD schließt daraus, dass der Kinderarmut, die oft eine versteckte Mütterarmut ist, am besten begegnet werden könne, wenn mehr Mütter arbeiteten.

Situation in Deutschland: Mit 65,2 Prozent liegt die stetig zunehmende Frauenerwerbstätigkeit in Deutschland inzwischen über dem OECD-Durchschnitt und der des Vorbilds Frankreich (60 Prozent) - die Familienarmut aber steigt proportional, statt zu fallen. Gleichzeitig empfiehlt die Bundesanstalt für Arbeit ebenso wie eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey, die Frauenerwerbsquote weiter zu steigern, um so etwa zwei Millionen Fachkräfte zu gewinnen.

Schlussfolgerung: Jedenfalls in Deutschland funktioniert der Rückschluss nicht, dass Kinder in besseren ökonomischen Verhältnissen aufwachsen, wenn Mütter arbeiten. Viele von ihnen arbeiten auf ausdrücklichen Wunsch nur in Teilzeit (45,3 Prozent), das gilt auch für Norwegen (43,6 Prozent) und die Schweiz (56,5 Prozent), und wollen dies auch beibehalten oder sogar ausweiten, bestätigt die soeben erschienene Studie zu Müttern in Europa im Auftrag der EU-Kommission. Man muss sich also mehr einfallen lassen, um Kinderarmut zu bekämpfen. Der Paritätische Gesamtverband Berlin hat schon 2007 vorgerechnet, dass zehn Prozent mehr Kindergeld - also direkte finanzielle Zuweisungen - acht Prozent weniger Kinderarmut bedeuteten und damit etwa 120 000 Familien besser stellten.

2. Was hilft der Familie?

Studie: Die Ausgaben für Familienförderung liegen im OECD-Durchschnitt bei 2,2 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP). Deutschland investiert 2,8 Prozent in Familien; Frankreich, Dänemark und Island führen die Liste mit mehr als 3,5 Prozent an. Weil in diesen Ländern auch überproportional mehr Kinder geboren werden, empfiehlt die OECD, die Ausgaben für Familienförderung an diese Länder anzugleichen. Wörtlich heißt es: Viel hilft viel.

Situation in Deutschland: Laut Bundesregierung gibt Deutschland im Jahr etwa 184 Milliarden Euro für Familienförderung aus - das entspräche für das Jahr 2010 etwa sieben Prozent des BI P. Der Paritätische Wohlfahrtsverband kam allerdings schon 2007 in einer Gegenrechnung auf Ausgaben von nur 38,6 Milliarden Euro, also 1,6 Prozent des BI P. Damit wäre Deutschland Schlusslicht in der OECD, und es wäre eine Erklärung dafür, warum die Familienpolitik nicht vorankommt. Die Abweichungen ergeben sich zum Teil daraus, dass die Behörden auch Leistungen einbeziehen, die nichts mit dem Vorhandensein von Kindern im Haushalt zu tun haben, wie etwa Witwenrenten oder die steuerliche Absetzbarkeit von Haushaltshilfen.

Schlussfolgerung: Jedes Land liefert individuelle Zahlen an die OECD und bezieht unterschiedliche Maßnahmen ein. Deshalb ist es nahezu unmöglich, die Ausgaben der einzelnen Länder direkt zu vergleichen. Auf Anfrage bestätigt selbst die OECD, dass die vorliegenden Zahlen nur bedingt vergleichbar seien und für einige Länder überhaupt keine Zahlen vorlägen. Sie taugen also nicht für Rückschlüsse, stattdessen müssen einzelne Maßnahmen miteinander verglichen werden.

3. Bargeld oder Kindergartenplatz?

Studie: In den meisten europäischen Ländern werden Familien vor allem durch direkte Zuwendungen wie Kinder- und Elterngeld oder Einmalzahlungen nach der Geburt gefördert. Und fast überall ist nachzuweisen, dass die Kinderarmut sinkt, wenn die direkten Zahlungen steigen. Dennoch rät die OECD, in hochwertige frühkindliche Betreuung, Bildung und Erziehung zu investieren und direkte Familienleistungen zu kürzen. Damit widerspricht sie ihrer eigenen Studie aus dem Jahr 2009, in der sie direkte Leistungen als Mittel gegen Familienarmut forderte.

Situation in Deutschland: Die Bundesregierung folgt der neuen OECD-Empfehlung und investiert vor allem in Krippen und Kindergärten. Mit direkten Zahlungen tut sie sich dagegen schwer, wie die Diskussion rund um die sogenannten Bildungsgutscheine gezeigt hat. Auch die Forderung des Bundesverfassungsgerichts nach Steuererleichterungen für Familien wurde bisher nicht umgesetzt.

Schlussfolgerung: Was tatsächlich hilft, um Familien zu fördern, vermag auch die OECD nicht zu sagen. So haben Frankreich, Schweden und Luxemburg zwar ähnlich hohe Geburtenraten, die Hilfen aber sind unterschiedlich: Schweden gewährt kaum Steuervorteile, bietet aber eine gute Infrastruktur, Luxemburg setzt vor allem auf direkte Familienförderung, und Frankreich kombiniert beide Ansätze; dort leben Familien ab dem dritten Kind nahezu steuerfrei, gleichzeitig wird auch in Infrastruktur investiert. Frankreich zeigt damit anschaulich, dass in der Familienförderung nicht alles gleichzeitig geht: Die Steuerfreiheit ab dem dritten Kind stützt zwar die Geburtenrate, senkt aber die Erwerbsquote bei Müttern. Man muss sich also entscheiden.

4. Wie fördert man richtig?

Studie: Je früher in die Bildung und Erziehung von Kindern investiert wird, desto höher ist die Rendite, heißt es aus der OECD. Worauf dieser Zusammenhang beruht, sagt die Studie nicht, empfiehlt aber eine Neuausrichtung der Bildungsausgaben zugunsten der ersten Lebensjahre; stattdessen könne die Hochschulbildung zunehmend privat finanziert werden. Die OECD definiert drei Altersgruppen: 0 bis 5 Jahre, 6 bis 11 Jahre und 12 bis 17 Jahre.

Situation in Deutschland: Deutschland investiert in allen drei Altersgruppen mehr als der OECD-Durchschnitt und liegt auch bei der Verteilung auf der Linie der Empfehlung. So gibt Deutschland für die Kleinsten fast 30 Prozent der gesamten Bildungsaufwendungen aus und liegt damit nur knapp hinter Schweden und Dänemark und somit über dem OECD-Durchschnitt von 25 Prozent. Auch bei den Ausgaben für die Sechs- bis Elfjährigen liegt Deutschland mit etwa 40 Prozent leicht über dem OECD-Durchschnitt.

Schlussfolgerung: Statistisch steht Deutschland damit gut da, dennoch werden im Moment Anstrengungen unternommen, vor allem die Kleinstkinder noch stärker zu fördern. Die sogenannten U3-Plätze sollen massiv ausgebaut werden, wobei sich die Befürworter auf die Empfehlungen der Studie berufen - die eine weitere Unterteilung der ersten Gruppe allerdings gar nicht kennt; die OECD-Empfehlung könnte ebenso gut für die Förderung von Vorschulkindern gelten. Sollte die Frühstförderung dem Ziel dienen, junge Frauen zur Familiengründung zu ermuntern, sind Zweifel angebracht: Die USA, mit zwölf Prozent der Ausgaben für die bis zu Fünfjährigen eines der Schlusslichter im OECD-Vergleich, haben mit 2,1 Prozent eine extrem hohe Geburtenrate.

5. Die Tücken der Statistik

Studie: Die Geburtenrate liegt in Deutschland mit 1,36 Kindern pro Frau unter dem OECD-Durchschnitt von 1,7. Aufgrund der ihr vorliegenden Daten zieht die OECD den Schluss, dass höhere Geldleistungen zumindest vorübergehend zu mehr Kindern führen könnten - Erfolg versprechender aber scheinen ihr Investitionen in Kinderbetreuungsdienste zu sein. Vorbild sind die nordischen Länder, in denen es ein durchgehendes Angebot von Unterstützungsleistungen in Form von bezahltem Elternurlaub mit Arbeitsplatzgarantie, Zuschüssen zur frühkindlichen Betreuung, Bildung und Erziehung sowie Betreuung außerhalb der Schulzeit bis zum Beginn der Sekundarschulzeit gibt.

Situation in Deutschland: Auch hierzulande gilt die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf als Schlüssel, um die Geburtenrate zu erhöhen. Mit dem Ausbau der Kinderbetreuung will man gleich drei Ziele erreichen: mehr Geburten, eine höhere Frauenerwerbsquote und bessere Bildung der Kinder. Dagegen spricht, dass die Geburtenrate bei Frauen in Ein-Verdiener-Ehen in Westdeutschland auch heute noch bei mehr als zwei Kindern pro Frau liegt, ebenso in Frankreich. Arbeiten beide Partner Vollzeit, sinkt die Geburtenrate auf ein Kind pro Frau. In Schweden mit einer Frauenerwerbsquote von fast 76 Prozent scheinen sich dagegen die beiden Ziele - Frauenerwerbsquote und Geburtenrate - nicht gegenseitig zu behindern.

Schlussfolgerung: Wie sich Betreuungsangebote auf die Geburtenrate auswirken, kann empirisch weder für Deutschland noch weltweit belegt werden. Dies hat das deutsche Ifo-Institut schon im Jahr 2005 in seinem Forschungsbericht Nr. 26 festgestellt und eine "statistisch signifikante Wirkung" nur durch direkte Zuwendungen nachgewiesen. So ist in den neuen Bundesländern wegen der DDR-Geschichte die Dichte der Kita- und U3-Plätze extrem hoch, die Geburtenrate im bundesweiten Vergleich jedoch am niedrigsten; Bayern und Baden-Württemberg haben dagegen bei einem vergleichsweise kleinen Betreuungsangebot eine überdurchschnittlich hohe Geburtenrate. Auch international gibt die Statistik nichts her: So investieren die nordischen Länder viel Geld in den Ausbau der staatlichen Kinderbetreuung, in den USA dagegen sind Kindergarten und Betreuung teure Privatsache, nur im Jahr vor der Einschulung wird staatlich gefördert. Dennoch kommen alle diese Länder auf eine vergleichsweise hohe Geburtenrate von mehr als zwei Kindern pro Frau.

6. Eine ungehörte Warnung

Studie: Die OECD-Studie enthält auch eine Warnung: Werden Kinder zu früh (konkret: vor Vollendung des ersten Lebensjahres), zu viele Stunden und qualitativ unzureichend außerhalb der Familie betreut, könne das zu Verhaltensauffälligkeiten führen. Zudem weist die Studie darauf hin, dass die wirtschaftlichen Lebensumstände größeren Einfluss auf die kognitive Entwicklung der Kinder haben als frühkindliche Betreuung, Bildung und Erziehung oder die Erwerbstätigkeit der Mutter. Erst ab einem Alter von zwei Jahren seien die positiven Effekte einer qualitativ hochstehenden Betreuung in der Regel größer als die negativen; dies gelte besonders für Kinder aus sozial benachteiligten Elternhäusern.

Situation in Deutschland: Die institutionelle Betreuung für Kinder ab dem ersten Lebensjahr wird ausgebaut, um möglichst bald für mehr als 35 Prozent der unter Dreijährigen einen Krippenplatz bereitzustellen. Die wirtschaftlichen Verhältnisse für bedürftige Familien mit Kindern werden trotz verfassungsgerichtlicher Aufforderung nicht verbessert.

Schlussfolgerung: Dass sich Deutschland für den Ausbau der institutionellen Betreuung von Kindern und gegen eine weitere finanzielle Unterstützung von Eltern entschieden hat, ist eine politische Entscheidung, die nicht mit den Empfehlungen der OECD-Studie zu begründen ist. Die Studie lässt keinen Zweifel, dass die wirtschaftlichen Umstände eines Kindes einen größeren Effekt auf sein Wohlbefinden und seine Bildung haben als frühkindliche Bildung. Genauso gut könnte die Studie als Begründung herangezogen werden, die direkten finanziellen Leistungen massiv auszuweiten.

Maria Steuer, 52, Kinderärztin und Mutter von drei Kindern, arbeitet heute vorwiegend als Familientherapeutin und Schulärztin. Zudem ist sie im Vorstand der Stiftungsinitiative "Für Kinder" des kürzlich verstorbenen Familientherapeuten Wolfgang Bergmann.

Birgit Kelle, 36, Journalistin und Verlegerin, Mutter von vier Kindern, ist Vorsitzende der Initiative Frau 2000plus e. V. und Vorstandsmitglied des Brüsseler Dachverbands New Women For Europe (NWFE) mit Beraterstatus am EU-Parlament. weiter
Vortrag von Dale O`Leary in Budapest im Rahmen der Familienkonferenz der EU-Ratspräsidentschaft im Mai 2011

Über die Frage, wie der Fortschritt für Frauen aussieht, existieren heute zwei ganz unterschiedliche Visionen. Beiden geht es um Chancengleichheit, gleiche Bildung, gleiche Rechte. Dennoch stehen beide Ansätze einander diametral entgegen. Ein besonderes Verdienst des vorliegenden Vortrags ist die Erkenntnis, dass die gegenwärtige Entwicklung hin zu Gender Mainstreaming keineswegs einfach nur den Zeitgeist widergibt und damit quasi unausweichlich ist, sondern hier die Entscheidung für eine Position zugrunde liegt, die von radikal-linken Kräften mit Macht vorangetrieben wird.

In aller Deutlichkeit kommt auch zum Ausdruck, dass der Forderung nach freier Abtreibung eine ganz bestimmte Einstellung zur Sexualität zugrunde liegt, die derjenigen fundamental entgegensteht, die Johannes Paul II. in „Liebe und Verantwortung. Eine ethische Studie“ philosophisch-anthropologisch grundgelegt hat und welche die Grundlage der kirchlichen Sexualmoral geworden ist. Es gibt zu wenig Sex, so die Position der radikalen Linken. Sexualität als augenblickliches Vergnügen, als Freizeitaktivität, Sex ohne Bindung. In der Folge Verhütung und Abtreibung als Selbstverständlichkeiten.

Die radikal-feministische Position, in den Theorien von Judith Butler erstmalig formuliert, kämpft für die Aufhebung des Geschlechts und wendet sich gegen die Zwangs-Heterosexualität, die angeblich aus der geschlechtlichen Unterscheidung folge. Diese sei, ebenso wie die Mutterschaft, eine rein soziale Konstruktion.

Dieser links-radikalen Position gegenüber steht eine zweite Position, nämlich diejenige, die ihre Fundierung nicht in einer Ideologie sucht, sondern in der Natur der menschlichen Person, so wie sie durch die Vernunft erkannt werden kann. Diese Position geht davon aus, dass Männer und Frauen unterschiedlich sind. Dies zugrunde legend, fordert die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau eine Anerkennung ihrer spezifischen Eigenart und Berufung. Für diese Berufung der Frau zur Mutterschaft spricht die Biologie eine deutliche Sprache. Nur Frauen können schwanger werden und Kinder zur Welt bringen sowie diese stillen. Ohne die Frau gibt es kein neues Leben.
Diese Wesensmerkmale kommen im Übrigen auch einer kinderlosen Frau zu.
Wenn sich auch selbstverständlich das Wesen der Frau nicht in der Mutterschaft erschöpft, sondern die die Persönlichkeit viele Facetten umfasst, so stellt doch die Mutterschaft einen wichtigen Bereich dar. Diesen auszublenden bedeutet einen direkten Angriff auf das Leben als Frau.

Völlig zu Recht weist die Autorin auf die Widersprüche hin, die zwischen der Ablehnung der Mutterschaft durch den linken Feminismus auf der einen und der Betonung des feministischen Elements durch die feministische Bewegung, ohne die diese ja gar nicht denkbar ist, besteht. Ja, es geht noch weiter, nicht nur Spezifika des Weiblichen wie die Mutterschaft sollen nach dem Urteil des linken Feminismus ausgeblendet und bekämpft werden, auch jeglicher Unterschied zwischen den Geschlechtern darf gesellschaftlich nicht nur nicht betont werden, sondern ist zu eliminieren. Das ist die Perspektive des inzwischen auch bei uns stillschweigend zum Leitprinzip allen politischen Handelns erhobenen Gender Mainstreaming.

Auch scheinbar wissenschaftliche Studien sind nicht ideologiefrei. Gerade in diesem Bereich wird ideologisch gearbeitet und werden Belege für das gewünschte Ergebnis auch dann zitiert, wenn diese wissenschaftlich so fragwürdig sind, dass sie die zu beweisende Aussage nicht untermauern. Ganz offen spricht die Autorin von ideologischer Manipulation, auf die all jene hereinfallen, die sich auch im sprachlichen Ausdruck angepasst haben und nicht mehr von Geschlecht, sondern nur noch von Gender sprechen. Gender-Mainstreaming klingt heute harmlos, frauenfreundlich. Kaum jemand macht sich allerdings bewusst, dass es hier um die Agenda der radikalen Linken geht.

In der Logik dieser Position, deren Ziel die Erreichung absoluter Gleichheit ist, müssen Frauen/Mütter zu gleicher Erwerbstätigkeit notfalls gezwungen werden, indem ihr Bewusstsein entsprechend verändert wird und indem auf Seiten der Arbeitgeber und der Wirtschaft Frauenquoten und Ähnliches zur Norm werden. Dabei wird ignoriert – und muss in der Logik dieser Position ignoriert werden, dass Frauen zum Teil andere Wünsche haben und sie, wenn sie Mütter sind, diese Aufgabe für sie prioritär ist. Dass damit Frauen wiederum Opfer von Stereotypen werden, indem ihre tatsächlichen und auch tatsächlich geäußerten Wünsche (s. etwa Studie Mouvement Mondial des Mères - MMM) nicht berücksichtigt werden, ist die Ironie dieser Betrachtungsweise. Freiheit, Wahlfreiheit heißt das Stichwort, das auf der linken Agenda vollständig fehlt. Zu sehen und auszusprechen, dass Unterschiede, was etwa den Umfang der Teilnahme am Arbeitsleben oder auch den Verdienst betrifft, demnach gerade nicht Ausdruck von Diskriminierung sind, würde die Diskussion entscheidend weiterbringen. Die eigentliche Herausforderung besteht nicht darin, in diesen Bereichen absolute Gleichheit herzustellen, sondern vielmehr in der Verteidigung des Rechtes der Frauen, Mutterschaft als primäre Berufung anzusehen.

Auch nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen spielt für die Entwicklung des Kindes die Bindung die ganz entscheidende Rolle. Das Gehirn eines Babys ist nicht etwas schon Fertiges, sondern es entwickelt sich durch positive Erfahrungen im engen Umgang mit den ihm vertrauten Personen, insbesondere der engsten Bezugsperson, im Idealfall die Mutter. Der Wunsch von Müttern, Zeit mit ihren Kindern zu verbringen, ist deshalb nicht etwas gesellschaftlich Konstruiertes, etwas irrational in den Frauen Angelegtes, das es auszurotten gilt, sondern beruht auf ihrer weisen Erkenntnis, dass Kinder zu bekommen die wichtigste Leistung in einer Gesellschaft darstellt.

Junge Frauen entfernen sich heute von der Gender-Perspektive. Die Bedeutung der Mutterschaft für ein erfülltes Leben wird erneut erkannt. Frauen erkennen, dass sie es sind, die den Preis für die von der Linken propagierten sexuellen Freiheit zu zahlen haben. In den Staaten Europas geht indes der Kampf um die Anerkennung der Gender-Perspektive unverändert weiter.

Dale O`Leary ist Autorin des Buches „The Gender Agenda: Redefining Equality“.

Dr. Friederike Hoffmann-Klein weiter
Mütter in Europa fordern mehr Anerkennung für ihre Leistung. Frauen möchten auch in ihrer Rolle als Mutter ernst genommen werden. Mehr als 11.000 Mütter äußerten sich im Rahmen einer Befragung, welche die Europa-Abteilung des Weltmütterverbandes MMM (Mouvement Mondial des Mères) in 16 europäischen Ländern von Februar bis August 2010 durchführte, zu verschiedenen Aspekten ihres Lebens als Mütter. Mutter zu werden verändert die Prioritäten von Grund auf, so die übereinstimmende Aussage der befragten Frauen. Mutterschaft wird von den Frauen als enorme Herausforderung wahrgenommen, die nicht nur eine große Verantwortung bedeutet, sondern das Leben ganz entscheidend und positiv prägt. Eine Frau, die Mutter ist, möchte deshalb nicht nur als Frau, sondern auch als Mutter wahrgenommen werden, wie dies schon die norwegische Politikerin und Professorin Janne H. Matláry in ihrem Buch „Blütezeit – Feminismus im Wandel“ aufzeigt: Moderne Frauenpolitik muss der Tatsache Rechnung tragen, dass viele Frauen Mütter sind und es auch sein wollen.

Sollten sich daraus nicht konkrete Vorgaben für die Politik ableiten lassen? Angesichts der Tatsache, dass 76 % aller europäischen Frauen über 18 Jahren Mütter sind, ist dies keine rein theoretische Frage.

Die Ergebnisse der Untersuchung wurden am 9. Juni 2011 im Rahmen einer Sitzung der interparlamentarischen Arbeitsgruppe „Familie, Rechte des Kindes und Solidarität zwischen den Generationen“ des Europäischen Parlaments von zwei Hauptvertreterinnen des MMM, der Generalsekretärin von MMM Europa, Frau Caroline Bombassei, und Frau Julie de Bergeyck, auf Einladung von Frau Dr. A. Zaborska und in Anwesenheit von einem Dutzend (vorwiegend) Teilnehmerinnen verschiedener Organisationen, die die Interessen der Familie vertreten, vorgestellt. Der durch die EU-Kommission finanzierte Bericht soll Ausgangspunkt für eine Neuausrichtung der Politik auf europäischer Ebene sowie auf der Ebene der Mitgliedstaaten der EU sein, in deren Kompetenzbereich die Familienpolitik fällt.

Der Weltmütterverband MMM wurde 1947 in Paris als internationale, nicht-konfessionelle, nicht-politische Nichtregierungsorganisation gegründet und hat inzwischen einen allgemeinen Beobachterstatus bei den Vereinten Nationen inne. Seine Aufgabe ist die Förderung der Mutterrolle in der Gesellschaft und bei den nationalen und internationalen Institutionen. Er arbeitet daran, die öffentliche Meinung und die Mandatsträger für die entscheidende Rolle zu sensibilisieren, die den Müttern dabei zukommt, zum Frieden nicht nur in der eigenen Familie, sondern in der Gesellschaft und zu sozialem und ökonomischem Fortschritt beizutragen. Das Bewusstsein für diese Rolle der Mütter entstand nach dem 2. Weltkrieg.

Die Antworten stammen von Müttern vor allem mit höherem Bildungsniveau (fast 50 % der Befragten mit Universitätsabschluss), die in ihrer großen Mehrheit arbeiten oder in Elternzeit sind, so dass die Studie die Bedürfnisse der beruflich aktiven, politisch interessierten und gebildeten Mütter widerspiegelt. Die durchschnittliche Kinderzahl der Befragten liegt bei 2,6.

Beliebtestes Modell für die Arbeit außerhalb der Familie ist bei den Befragten die Teilzeit. Die Unterscheidung erwerbstätige Mutter – Mutter-und-Hausfrau ist allerdings überholt, weil Frauen beides leisten und beides wollen, aber nicht unbedingt in der gleichen Lebensphase.

Je mehr Kinder eine Frau hat, desto eher möchte sie ihren Schwerpunkt in der Familienarbeit sehen. Frauen, die 3 Kinder und mehr haben, wollen in erster Linie Familienarbeit leisten. Dies zur Kenntnis zu nehmen, ist nicht allein angesichts der demographischen Situation wichtiger als die hieraus immer wieder abgeleitete stereotype Forderung nach einer weiteren Einengung des Spielraums für Frauen im Namen einer übertriebenen Gleichstellungspolitik. Die Politik sollte sich ebenfalls darauf einstellen, dass eine große Mehrheit der Mütter den Wunsch hat, bei kleinen Kindern zuhause zu arbeiten. Dies nicht aus egoistischen Gründen, sondern weil ihnen die Wichtigkeit ihrer Erziehungsaufgabe bewusst ist. Mütter prägen die künftigen europäischen Staatsbürger!

Gefragt, welchen Rat sie einem Politiker geben würden, lautete die übereinstimmende Antwort: Ermöglichung von Wahlfreiheit, an erster Stelle. Anerkennung der Familienarbeit – in finanzieller und ideeller Hinsicht – als wesentliche Leistung für die Gesellschaft. Ferner auch der Wunsch nach an die Bedürfnisse der Kinder angepassten Arbeitszeiten. So darf es nicht sein, dass etwa Mütter mit Schulkindern keine Halbtagstelle (oder weniger) annehmen können, weil sie für die Ferien keine Betreuungslösung haben. Hinsichtlich der work-life-balance lautet die Forderung: Anerkennung des Wunsches von Müttern, genügend Zeit mit ihren Kindern zu verbringen. Forderung nach familienfreundlichen Steuersystemen, nach Einbeziehung der Väter in die Familienarbeit. Väter sind extrem wichtig, für das Wohlergehen der Mütter, aber natürlich auch der Kinder. Sie sind in der Studie nicht explizit, aber natürlich implizit mit einbezogen. Mütter müssen die Chance haben, auch nach einer längeren Familienzeit auf dem Arbeitsmarkt berücksichtigt zu werden. Dies wird allerdings nur funktionieren, wenn die Öffentlichkeit nicht nur für die objektive Bedeutung sensibilisiert wird, die der Leistung der Mütter für das Wohl des Kindes und damit der Gesellschaft zukommt, sondern wenn sie darüber hinaus die Mütter in dieser ihrer Selbstwahrnehmung ernst nimmt.

Die Politik muss begleiten, sie darf nicht auferlegen und vorschreiben, etwa im Sinne eines feministischen „Ideals“ der voll erwerbstätigen Mutter. Gelingt es, dieser Stimme der Mütter besser Gehör zu verschaffen, so liegt darin eine Hoffnung für eine nachhaltige Politik, für eine bessere europäische Gesellschaft.

Die Ergebnisse der Studie stimmen mit denjenigen der offiziellen Studie überein, die im Rahmen von Euro-Barometer unter dem Titel „familiy life and the need of aging people“ durchgeführt wurde. Näheres zur MMM-Studie auf der Homepage des MMM (www.mmmeuropa.org).

Dr. Friederike Hoffmann-Klein, Mitglied des Bundesvorstands der CDL hat an der Vorstellung der Ergebnisse der Studie am 9. Juni im Europäischen Parlament teilgenommen. weiter
Im Jahr 2010 sind in Deutschland nach vorläufigen Ergebnissen 678.000 Kinder lebend geboren worden, so das Statistische Bundesamt (Destatis). Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einer Zunahme von 13.000 Kindern oder 1,9%. Destatis weist darauf hin, dass 2009 das Jahr mit der bisher niedrigsten Anzahl Geborener war.

Eine Bewertung aus Sicht der Lebensschützer: Aus der Sicht der Politik dürfen diese Zahlen des Statistischen Bundesamtes kein Grund zum Frohlocken sein. Denn sie spiegeln nicht das Ergebnis einer erfolgreichen Familienpolitik wieder, sondern stehen in direktem Zusammenhang mit der Zahl der Geburten vor 30 Jahren. Denn bei einem Erstgeburtenalter von mittlerweile 30,2 Jahren sind 2010 viele Frauen des Geburtenjahrgangs 1980 das erste Mal Mutter geworden. Dieser Jahrgang war aber ein besonders geburtenstarker Jahrgang – 1980 wurden 6% mehr Kinder geboren als 1979. Wer sich als Politiker mit 1,9% mehr Kindern „schmückt“, hat die demographische Statistik noch nicht verstanden. Denn 2010 wurden anders als von 1979 auf 1980 nicht 6% mehr Kinder geboren, sondern gerade einmal magere 1,9%. Dieser Anstieg ist de facto also ein weiterer Rückgang. Immer mehr Frauen und Männer entscheiden sich gegen Kinder. In einer Untersuchung des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2005 gaben bereits 25% der Männer an, gar keine Kinder haben zu wollen. Daran gilt es etwas zu ändern.

Der aktuelle Anstieg ist also kein Grund zum Jubeln, sondern ein Anlass zur Sorge. weiter
Pläne in russischer Duma zur Einführung eines Beratungsmodells mit Wartezeit zur Einschränkung der Abtreibung
In Russland gibt es in der Duma Pläne, ein Beratungsmodell mit Wartezeit zum Schwangerschaftsabbruch einzuführen. Außerdem sollen Frauen, die länger als sechs Wochen schwanger sind, verpflichtet werden, den Embryo / Fetus über Ultraschall zu sehen bzw. sich den Herzschlag anzuhören, berichtet die amerikanische Zeitung „Herald Tribunes“ am 10. Juni 2011. Auch der Verkauf der Pille danach soll eingeschränkt werden. In Russland gibt es jährlich ca. 6 bis 8 Mio. Abtreibungen. weiter
(CDL, Münster) - Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, ist die Zahl der gemeldeten Schwangerschaftsabbrüche geringfügig zurückgegangen. Die Statistik ist leider ohne jede echte Aussagekraft, denn
1. nimmt die Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter in Deutschland seit Jahren ab
2. liegt die Zahl der Geburten für den Zeitraum nicht vor
3. enthält die Statistik nicht die wachsende Zahl der verschriebenen "Pille danach".

WIESBADEN – Im ersten Quartal des Jahres 2011 wurden rund 29 000 Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland gemeldet. Nach Mitteilung des Statistischen Bundesamtes (Destatis) waren das 2,8% oder 800 weniger als im ersten Quartal 2010.

Knapp drei Viertel (74%) der Frauen, die im ersten Quartal 2011 Schwangerschaftsabbrüche durchführen ließen, waren zwischen 18 und 34 Jahren alt, 14% waren zwischen 35 und 39 Jahren. Fast 8% der Frauen waren 40 Jahre und älter. Die unter 18-Jährigen hatten einen Anteil von 4%, ihre Anzahl ging im Vergleich zum ersten Quartal 2010 um 180 auf knapp 1 100 zurück. 40% der Schwangeren hatten vor dem Eingriff noch keine Lebendgeburt.

97% der gemeldeten Schwangerschaftsabbrüche wurden nach der Beratungsregelung vorgenommen. Medizinische und kriminologische Indikationen waren in 3% der Fälle die Begründung für den Abbruch. Die meisten Schwangerschaftsabbrüche (71%) wurden mit der Absaugmethode (Vakuumaspiration) durchgeführt, bei 15% wurde das Mifegyne® verwendet..

Die Eingriffe erfolgten überwiegend ambulant – rund 80% in gynäkologischen Praxen und knapp 18% ambulant im Krankenhaus. Knapp 6% der Frauen ließen den Eingriff in einem Bundesland vornehmen, in dem sie nicht wohnten. weiter
Die nächste Zusammenkunft der interparlamentarischen Arbeitsgruppe "Familie, Rechte des Kindes und Solidarität zwischen den Generationen" des Europäischen Parlaments findet am Donnerstag, den 9. Juni 2011, von 10h00 bis 11h30 im Rahmen der Plenarwoche in Straßburg (Sitzungssaal LOW N 3.1) statt.
Dazu lädt Sie die Vorsitzende Frau Dr. med. Anna Záborská MdEP (Slowakei) herzlich ein.
Die Zusammenkunft ist in diesem Monat der Vorstellung der Ergebnisse der „Enquete über Mütter in Europa 2011" der Europa-Abteilung des Weltmütterverbandes (MMM Mouvement Mondial des Mères) gewidmet.

Ausgehend von den Antworten von mehr als 11.000 Müttern aus 16 EU-Mitgliedsstaaten beschreibt diese Untersuchung die Prioritäten und Schwierigkeiten der Mütter, sowie deren Empfehlungen an die politischen Entscheidungsträger bezüglich des Wohlergehens ihrer Familien und ihrer selbst. Drei grundlegende Ergebnisse der Studie werden vom MMM herausgestellt:

1. "Mutter werden" ist mit einem starken Prioritätswechsel verbunden. Deswegen möchten die Frauen nunmehr in dieser Eigenschaft – nämlich als Mutter – auftreten.

2. Es besteht eine beeindruckende kulturelle Übereinstimmung der Meinungen der europäischen Mütter, von London bis Budapest, von Stockholm bis Madrid!

3. Die Gegenüberstellung der Lebensentwürfe „Mutter und Hausfrau“ und „erwerbstätige Mutter“ erscheint als überholt. Die Frau möchte zwar erwerbstätig sein, jedoch auch über genug Zeit verfügen, um selbst für ihre Kinder da zu sein.



Sie finden hier die Unterlagen für die Sitzung:



PM in deutscher Sprache:

http://www.mmmeurope.org/sites/mmmeurope.org/files/documents/Press%20Release%20MMM%20GERMAN.pdf

Homepage der Enquete: http://www.mmmeurope.org/en/node/43 (Studie in mehreren Sprachen)

Es besteht die Möglichkeit, um 12 Uhr den Abstimmungen im Plenarsaal beizuwohnen und danach im Abgeordnetenrestaurant zu Mittag zu essen. weiter
Deutsche Tagespost / 30.5.2011, Stefan Rehder.
Wenn es eines Beweises bedürfte, dass auch kleine Dinge große Wirkungen entfalten können, dann wäre die „Pille“, die morgen vor 50 Jahren in Deutschland zugelassen wurde, wohl ein heißer Kandidat, diesen zu führen. Nicht einmal das Fernsehen, das aus dem Kreis der Familie einen Halbkreis gemacht und viele „gute Stuben“ in einen säkularen Andachtsraum mit vorkonziliarem Hochaltar verwandelt hat, konnte eine derart umstürzende Wirkung entfalten, wie die Nebenwirkungen des Chemie-Präparats, das weltweit mittlerweile von rund 100 Millionen Frauen zur Empfängnisverhütung genutzt wird. Von dreisten Dummköpfen als „Befreiung der Frau“ gefeiert, hat die Pille eine Kulturrevolution in einem Ausmaß ermöglicht, das Mao, Lenin und andere wie Amateure erscheinen lässt.

Was selbst zwei Weltkriege nicht geschafft haben, nämlich dass ganze Nationen dauerhaft mehr Särge als Wiegen nachfragen, hat die Pille durch die Entkoppelung von Sexualität und Fortpflanzung in allen Industrienationen gewissermaßen nebenbei bewerkstelligt. Und dabei ist der demografische Wandel, der zu Verteilungskämpfen zwischen Alten und Jungen führen wird und deren gesellschaftszerstörerisches Potenzial derzeit wir allenfalls ansatzweise spüren, nur ein Kollateralschaden, der durch den weithin selbstverständlich gewordenen Gebrauch der Pille verursacht wurde.

Weit schwieriger messbar, aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht weniger gravierend, ist die Veränderung der Beziehung von Männern und Frauen, welche die Pille ermöglicht hat. Nicht dass es um diese vordem zum Besten gestanden hätte. Wäre es so gewesen, hätte die Pille nicht jenen Siegeszug antreten können, mit dessen Folgen sich die Gesellschaften nun herumschlagen müssen.

Nur: Mit der Pille ist die Beherrschung des Geschlechtstriebes, die für jeden gesunden Menschen – Männer wie Frauen gleichermaßen – eine Herausforderung darstellt, in die man sich einüben muss, aber auch kann, ja keinesfalls einfacher geworden. Im Gegenteil: „Befreit“ hat die Pille Frau und Mann nur von den liebenswertesten Folgen der eigenen Unbeherrschtheit: Den Kindern. Alle anderen sind nicht nur geblieben, sondern haben sich vermehrt. Wer wollte behaupten, dass die Pille die personale Liebe zwischen Männern und Frauen gefördert habe, oder der Respekt vor dem Körper und den Wünschen des anderen zugenommen habe? Wer, dass Treue – ob in der Ehe oder einer Partnerschaft – durch die Pille gewachsen sei?

Die Pille hat Sex zu einem jederzeit verfügbaren Gut gemacht, das von immer mehr Menschen in allen denk- und undenkbaren Konstellation konsumiert wird, und um das sich längst ganze Industrien ranken. In Berlin gibt es 15-Jährige, die bereits mehr als 100 Sex-Partner hatten, beklagt der protestantische Pastor Bernd Siggelkow, Gründer des Jugendwerks „Arche“. Man muss kein Prophet zu sein, um zu wissen, dass es ein Wunder braucht, damit aus diesen Kindern noch liebesfähige Erwachsene werden. Mit liebes- und beziehungsunfähigen Menschen aber ist kein Staat zu machen. Nirgendwo auf der Welt. Ein Grund zum Feiern ist das Jubiläum der Pille daher auch in einem gottvergessenden Land wie dem unsrigen nicht. weiter
Rechtsausschuss - 31.05.2011
Berlin: (hib/BOB) Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen will das Adoptionsrecht für eingetragene Lebenspartner an das für Eheleute angleichen. Die Fraktion hat zu diesem Zweck einen Gesetzentwurf (17/1429) vorgelegt, zu dem am Montag, 6. Juni, eine öffentliche Anhörung stattfindet. Unter den Sachverständigen sind Rolf P. Bach von der Gemeinsamen Zentrale Adoptionsstelle der Länder Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein, Professorin Nina Dethloff vom Institut für Deutsches, Europäisches und Internationales Familienrecht an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Professor Klaus Ferdinand Gärditz vom Lehrstuhl für Öffentliches Recht an derselben Universität; Bernd Grzeszick vom Institut für Öffentliches Recht, Verfassungslehre und Rechtsphilosophie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Professor Herbert Grziwotz von der Universität Regenburg; Notker Klann, Psychologe aus Bad Honnef, Christa Mayer vom Amt für Jugend, Familie und Bildung der Stadt Leipzig und Dirk Siegfried, Rechtsanwalt und Notar aus Berlin. Die Anhörung beginnt um 17 Uhr im Paul-Löbe-Haus, Raum 4.300. Anmeldung unter rechtsausschuss@bundestag.de weiter
Verhaltensauffälligkeiten stärker gestiegen als in anderen Ländern
Der folgende Artikel fasst einen längeren Artikels von Jonas Himmelstrand auf http://www.mercatornet.com/articles/view/outsourcing_parenting_in_sweden/ dar zusammen.

Seit 1975 gibt es in Schweden ein umfassendes, hoch subventioniertes Kleinkinderbetreuungssystem. Rund 15.000 EUR kostet jeder Betreuungsplatz, den über 90% aller Kleinkinder über 16 Monaten wahrnehmen. Parallel zur umfassenden Kleinkinderbetreuung ist in Schweden der Anteil der Kinder und Jugendlichen mit psychosomatischen und psychologischen Problemen überproportional gestiegen – und zwar stärker als in 11 vergleichbaren europäischen Ländern. So hat sich z.B. bei Mädchen in den letzten 25 Jahre die Rate der Kinder mit psychosomatischen / psychologischen Problemen verdreifacht. Gleichzeitig ist Schweden in den OECD-Bildungsranking von einem der Top-Plätze ins Mittelfeld zurückgefallen. Verhaltensauffälligkeiten in schwedischen Klassenräumen zählen zu den schlimmsten in Europa. Zufall? Oder Auswirkung des umfassenden Ganztagskinderbetreuungssystem? Weil trotz der hohen staatlichen Subventionierung der Kinderbetreuung die Betreuungsquoten immer schlechter werden und mit der hohen Belastung durch Vollzeitberufstätigkeit die Eltern auch die Fähigkeit verlieren, ihre Kinder selber zu erziehen, zeigen immer mehr Kinder Verhaltensauffälligkeiten. Denn schwedische Kinder erfahren immer weniger Grenzen. Eine von der EU finanzierte Studie zeigt, dass dies auch für viele schwedische Mittelklassefamilien gilt.

Waren zu Beginn des staatlichen Kinderbetreuungsprogramms durchschnittlich je Gruppe noch vier Erwachsene für 10 kleinere Kinder bzw. ein Erwachsener für 5 größere Kinder zuständig, sind es nach der Wirtschaftskrise vor 20 Jahren nun 17 jüngere Kinder auf drei Erwachsene und ein Erwachsener für 10 ältere Kindergartenkinder. Krankheitsausfälle werden nicht mehr ersetzt. Mehr und mehr Schweden wünschen sich alternativ zum umfassenden, hoch subventionierten Ganztagskleinkinderbetreuungssystem die Möglichkeit, ihre Kinder in den ersten drei oder vier Jahren zu hause zu erziehen. Das aber ist aufgrund der hohen Steuerlast, einer direkten Folge der teuren Kinderbetreuung, nicht möglich. Direkt zahlen die Eltern nur einen symbolischen Obulus – aber indirekt bezahlen sie über die hohen Steuern den hohen Preis, ihre Kinder in der Kita abgeben zu müssen.
Das schwedische Experiment zeigt, dass die Übertragung der Aufgabe der Kindererziehung von den Eltern auf den Staat kein Erfolgsrezept ist.

http://www.mercatornet.com/articles/view/outsourcing_parenting_in_sweden/ weiter
Hochkarätige Unterstützung durch russische Politik
Ende Juni findet in Moskau ein hochkarätiger Demographie-Gipfel statt, auf dem auch das Thema Abtreibung auf der Tagesordnung steht.

http://worldcongress.ru/en/register weiter
Nahezu unbemerkt ist er vorbeigegangen - der Welttag der Familie. Der Jahrestag 2011 war dem Thema Familienarmut und soziale Ausgrenzung der Familie" gewidmet:

http://social.un.org/index/Family/InternationalObservances/InternationalDayofFamilies/2011.aspx

Der Familien-Welttag ist ein offizieller Gedenktag der Vereinten Nationen und wurde im Jahre 1993 durch die Entschließung RES/47/237 eingeführt. Die deutsche Übersetzung der Entschließung finden Sie hier: http://www.unric.org/html/german/resolutions/A_RES_47_237.pdf In den Begründungserwägungen heißt es:

(Die Vollversammlung) ist sich gleichzeitig dessen bewusst, dass an der Familie, an der Basis der Gesellschaft, die Stärken und Schwächen der sozial- und entwicklungspolitischen Maßnahmen am deutlichsten zutage treten und dass sie infolgedessen einen einzigartigen Ansatzpunkt für eine umfassende und alle Aspekte einbeziehende Auseinandersetzung mit sozialen Fragen bietet;

(Die Vollversammlung), in der Erkenntnis, dass die Familie als soziale Grundeinheit auf allen Ebenen der Gesellschaft ein wichtiger Träger der bestandfähigen Entwicklung ist und dass ihr Beitrag zu diesem Prozess für dessen Erfolg entscheidend ist ;

Artikel 16 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen definiert die Begriffe "Ehe" und "Familie" (die Familie baut auf der Ehe als Bündnis zwischen einem Mann und einer Frau auf):

1. Heiratsfähige Männer und Frauen haben ohne jede Beschränkung auf Grund der Rasse, der Staatsangehörigkeit oder der Religion das Recht, zu heiraten und eine Familie zu gründen. Sie haben bei der Eheschließung, während der Ehe und bei deren Auflösung gleiche Rechte.

2. Eine Ehe darf nur bei freier und uneingeschränkter Willenseinigung der künftigen Ehegatten geschlossen werden.

3. Die Familie ist die natürliche Grundeinheit der Gesellschaft und hat Anspruch auf Schutz durch Gesellschaft und Staat.

Auch die Ersten Sondierungsstellungnahme des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses konzentriert sich auf die Familie. (EWSA), der sich dezidiert mit der Förderung der Familie im Rahmen der nationalen Politikgestaltung ausspricht. Die politisch gesteuerte Konzentration auf sektorielle Betrachtungsweisen (Arbeitnehmer, Arbeitgeber, Arbeitsloser, Freiberufler, Student usw.) vernachlässigt eine Dimension, die eigentlich unübersehbar ist: die Familie. Der EWSA macht diesen Aspekt bereits mit seiner ersten Sondierungsstellungnahme deutlich, die von Herrn Stéphane Buffetaut im Auftrag der deutschen EU-Ratspräsidentschaft zu dem Thema „Die Familie und die demographische Entwicklung“ angefertigt wurde. Buffetaut zögert nicht, die Kommission zu einer entschiedeneren Politik zugunsten der Mütter und Väter sowie der Großeltern aufzufordern, die an der familiären Verantwortung voll beteiligt sind. Der EWSA unterstreicht ferner: „Auch und stärker berücksichtigt werden muss die strukturelle Dimension der Rolle, welche die Familie für die Herstellung und Reproduktion des sozialen und Beziehungskapitals spielt, das in zunehmendem Maße als für das Wohlergehen der einzelnen Bürger und der Gesellschaft insgesamt ausschlaggebend gilt. Die Zeit, die Kindern und der Familie gewidmet wird, ist sicherlich Zeit, die der beruflichen Karriere abgeht, aber sie ist auch eine Investition in die Betreuung oder die Ausbildung von Personen und somit anzuerkennen und stärker zu honorieren: so sollte über die Möglichkeit nachgedacht werden, die bereits bestehenden Maßnahmen (Geldleistungen, Steuervergünstigungen, Elternurlaub u.a.) zu flankieren mit irgendeiner Art der Anrechnung der für die Betreuung hilfsbedürftiger Familienmitglieder aufgewandten Zeit auf die Rente; auf diese Weise wird vermieden, dass die Solidarität zwischen den Generationen eine späte Schuld verursacht (in Form unangemessener Renten und folglich eines höheren Armutsrisikos), die vor allem auf den Frauen lastet. So muss auch der Aspekt der unentgeltlichen Aufwendung von Zeit berücksichtigt werden, die schwer verrechenbar und somit häufig unsichtbar ist, die aber maßgeblichen Einfluss auf die Qualität des Lebens in der Gesellschaft hat, die von den meisten Menschen in zunehmendem Maße angestrebt und geschätzt wird. Vor diesem Hintergrund erweist sich eine andere, d. h. ausdrückliche und positive, soziale Wertschätzung dieser strukturellen und grundlegenden Dimension der Menschen und ursprünglichen und generativen Form der sozialen Bindung als notwendig, welche die optimale Entwicklung und Anpassung all der anderen Rahmenbedingungen und Dienstleistungen begleiten sollte, sodass es den Menschen ermöglicht wird, ihre Lebenspläne für eine eigene Familiengründung zu verwirklichen, so viele Kinder zu haben, wie sie möchten und sich ihrer Angehörigen unbeschwert anzunehmen.“ weiter
Antrag der Abgeordneten Kai Gehring, Volker Beck (Köln), Ingrid Hönlinger, Josef Philip Winkler, Memet Kilic, Ekin Deligöz, Katja Dörner, Priska Hinz (Herborn), Agnes Krumwiede, Monika Lazar, Tabea Rößner, Krista Sager und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN vom 25.1.2011

Unter anderem fordern die Grünen
- bei den Ländern darauf hinzuwirken, Schulbücher und andere Schulmedien für die positive Darstellung von Vielfalt der Familien, Partnerschaften und Lebenswelten zu öffnen.
- gemeinsam mit der Bundeszentrale für politische Bildung, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sowie schwul-lesbischer Jugend- und Bürgerrechtsverbände zusätzliche zielgruppenspezifische Informationsmaterialien für Jugendliche und ihre Angehörigen zu initiieren,
- bei den Bundesländern dafür einzutreten, dass Lehrpläne in den Schulen um Themen wie die Vielfalt sexueller Identitäten und Lebensweisen, die Geschichte Homosexueller in Deutschland und Menschenrechtsbildung auch in Bezug auf Lesben und Schwule erweitert werden sowie Handreichungen mit pädagogisch-didaktischen Unterrichtsmaterialien nach dem Vorbild einzel- ner Bundesländer zu erstellen. weiter
Dem Bundestag liegt ein Antrag der Abgeordneten Caren Marks, Petra Crone, Christel Humme, Petra Ernstberger, Iris Gleicke, Ute Kumpf, Franz Müntefering, Aydan Özog˘uz, Thomas Oppermann, Sönke Rix, Marlene Rupprecht (Tuchenbach), Stefan Schwartze, Dagmar Ziegler, Dr. Frank-Walter Steinmeier und der Fraktion der SPD vor.

Unter anderem fordert die SPD, um Kinder frühestmöglich optimal zu fördern und Eltern niedrigschwellig mit Angeboten der Eltern- und Familienbildung zu erreichen, sind Kindertagesein- richtungen zu Eltern-Kind-Zentren (auch als Familienzentren bezeichnet) auszubauen. Um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter zu verbessern, müssen deutlich mehr Ganztagsangebote geschaffen werden.

Einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Kinder im Alter von ein bis sechs Jahren ein- zuführen, sei daher sinnvoll. Dies setzt aber voraus, dass in den Kommunen ausreichende Rahmenbedingungen bestehen.

http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/055/1705518.pdf weiter
Die Bundesvorsitzende der Christdemokraten für das Leben, Mechthild Löhr, fordert:

"Der Staat darf sich durch neue Finanzierung der IVF nicht zum Förderer der künstlichen Erzeugung von Menschen aufspielen. In der aktuellen Empfehlung von Familienministerin Kristina Schröder (CDU), die In-vitro-Fertilisation (IVF) staatlicherseits zu fördern, ist ein deutlicher Widerspruch enthalten. Die Förderung der künstlichen Befruchtung damit zu begründen, dass die Zahl derer, die keine eigenen Kinder haben könnten, so groß geworden sei, verkennt die Realität und ist vor allem angesichts der bleibend hohen Abtreibungszahlen in keiner Weise logisch einsehbar und konsequent. "Ich finde es unerträglich, wenn Kinderwünsche am Geld scheitern", so jetzt die Familienministerin. Aus dieser richtigen Erkenntnis zieht sie allerdings bedauerlicherweise völlig falsche und irreführende Schlüsse. Wir fordern das Familienministerium auf, die tatsächlichen Gründe steigender Unfruchtbarkeit genauer zu untersuchen, ihnen entgegen zu wirken und stärker Aufklärung dazu zu geben.

Zum einen ist die IVF eine extrem belastende und keineswegs ungefährliche Behandlung, da sie sich auf eine über viele Monate, manchmal über Jahre laufende hormonelle Hyperstimulation einlassen muss, die sogar schon häufiger nachweislich zum Tod der Frauen geführt hat. Dafür sollte also staatlicherseits - auch wegen der hohen Risiken und Belastungen - tunlichst nicht geworben werden. Ferner sind laut den neuesten IVF-Registerzahlen allein 2009 bei 75.000 Behandlungszyklen mit Implantation von bis zu drei Embryonen bei 46.000 Frauen inzwischen nur 5.000 Kinder (davon rund 20 % Zwillinge) geboren, aber 2.400 Aborte gemeldet worden. Viele Frauen bleiben also auch nach der stark belastenden IVF weiter kinderlos oder sogar in hoher Zahl traumatisiert durch eine Fehlgeburt. Schon heute gehören die Reproduktionsmediziner, die IVF in 120 Zentren bundesweit anbieten, zu den am besten verdienenden Ärztegruppen. Der reproduktionsmedizinische Bedarf steigt stetig weiter an, vor allem weil der Kinderwunsch bei vielen Paaren immer mehr in Richtung 40 Jahre verschoben wird. Schon 2008 bezahlten die gesetzlichen Kassen für IVF-Behandlungen rund 40 Millionen Euro. Das Handelsblatt schätzte in einer Marktanalyse für Reproduktionsdienstleistungen vom 20.1.2010 das deutsche Marktpotenzial für Pharmakonzerne und Ärzte auf jährlich gut eine Milliarde Euro.

Doch warum sollte der Staat die sehr teure künstliche Befruchtung (jeder Monatszyklus IVF kostet zwischen 3.200 und 5.000 Euro) bezahlen, wenn er gleichzeitig an anderer Stelle Frauen, die ein Kind erwarten, durch die volle Kostenübernahme im Fall der Abtreibung ein deutliches Signal dafür gibt, das dieser Schritt staatlicherseits anerkannt und gefördert wird, allein jährlich mit rd. 40 Millionen Euro an Steuergeldern? Der Staat wäre besser beraten, nicht Jahr für Jahr durch seine Abtreibungsfinanzierung völlig falsche Signale zu senden, sondern im Gegenteil, Familien und Frauen, die schwanger sind, alle möglichen Unterstützungen zukommen zu lassen, damit sie ein angstfreies "Ja" zu ihrem Kind sagen können.

Die Bundesfamilienministerin will auch die Adoption erleichtern, was sicher lobenswert ist, sofern sich dies nicht insbesondere auf gleichgeschlechtliche Paare bezieht, wie es die FDP und andere seit Jahren fordern. Zehntausende von adoptionswilligen Ehepaaren warten vergeblich auf ein Kind, dem sie ein liebevolles Zuhause geben möchten. Zunächst steht jedoch die Frage, wo die zu adoptierenden Kinder eigentlich herkommen sollen. Die Zahl der Adoptionen ist in Deutschland seit Jahren auf niedrigem Niveau deutlich rückläufig. 2009 konnten nur noch 1692 Kinder von fremden Eltern adoptiert werden, Tendenz weiter stark sinkend. Gleichzeitig wurden allein im vergangenen Jahr 115.000 ungeborene Kinder abgetrieben, zu nahezu 90 % wurden die Abtreibungen finanziert durch staatliche Gelder.

Wenn jetzt die Familienminsterin erfreulicherweise zusätzliche Gelder für die Realisierung des Kinderwunsches freimachen will, so sollte sie schnellstens geeignete Fördermittel und wirksame Hilfestellungen dazu geben, um schwangere Frauen wirksamer als bisher zu ermutigen, ihrem Kind doch das Leben zu schenken. Nicht wenige verzweifelte Mütter , die sich auch aus wirtschaftlichen Nöten heraus gegen ihr Kind entscheiden, würden durch eine bessere finanzielle Unterstützung des Staates gerade in den ersten Lebensjahren das Ja zu ihrem Kind wagen und eine neue Perspektive sehen. Vielleicht würden sie es auch im Einzelfall zur Adoption freigeben, wenn dieser Schritt in der Gesellschaft nicht so negativ gesehen würde. Oft genügen wenige Tausend Euro Starthilfe für eine junge Frau und Familie, damit sie den Mut finden, ihr Kind anzunehmen. Länder wie Australien zeigen, dass durch ein "Babybegrüßungsgeld" in dieser Größenordnung die Geburtenrate sofort deutlich angestiegen ist.

Bei der Argumentation von Ministerin Schröder drängt sich bedauerlicherweise der Eindruck auf, dass der Staat die Lösung des demografischen Problems eher in der künstlichen Erzeugung von Menschen in Reproduktionszentren zu sehen scheint, als in der Förderung junger Frauen und Familien, die sich nach wie vor oft nur aus wirtschaflticher und sozialer Not heraus gegen ein Kind entscheiden. Anders kann der Einsatz von Politikerinnen aller Parteien für die Förderung der IVF bei gleichzeitiger öffentlicher Finanzierung der Abtreibung nicht erklärt werden. " weiter
Blickwechsel einer zwanzig Jahre alten Initiative von Katholischer und Evangelischer Kirche
Ein Zwischenruf von Kurt J. Heinz

(MEDRUM) Heute beginnt die Woche für das Leben, einer Initiative der Katholischen und Evangelischen Kirche in Deutschland. Welcher Sinn ist dieser Woche zugedacht? Welche Rolle spielt sie? Wird sie ihrem eigenen Anspruch gerecht?

Leben ist bunt, Leben ist vielfältig. Zum heutigen Leben gehören der Sex-Shop von Beate Uhse genauso wie die Telefonseelsorge der Kirchen oder auch das Main-Taunus-Zentrum in Sulzbach, ein Einkaufszentrum vor den Toren Frankfurts, in dem ein kirchlicher Raum der Stille keinen Platz finden darf, weil er angeblich nicht zu einem modernen Einkaufszentrum passt, wie der Geschäftsführer des Einkaufszentrums meint. Welchen Teil des Lebens also meint die Woche für das Leben? Was passt zur Woche des Lebens?

Wer nicht weiß, was die Woche für das Leben aus Sicht der Veranstalter Evangelische und Katholische Kirche bedeuten soll, findet die Antwort in einem Wegweiser im Internetportal „Woche für das Leben". Bei der inhaltlichen Vorbereitung zu den Themen der Woche für das Leben können helfen, heißt es dort unter Links und Informationen:

der Deutscher Hospiz- und Palliativ-Verband e.V.
der Bundesverband Deutsche Tafel e.V.
die Telefonseelsorge
der Borromäusverein e.V., Netzwerk für die Bücherarbeit,
die Freiwilligen- und Ehrenamtsplattform der Caritas Deutschland
die Ökumenische Tagung zum ehrenamtlichen Engagement in Kirche und Gesellschaft
die Quartiersarbeit der Diakonie
die Woche des bürgerschaftlichen Engagements
der Deutsche Engagementpreis
das Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement
die Ehrenamtsakademie der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau
das Ökumenische Heiligenlexikon.
Wer dies liest, findet also vor allem Wegmarken für Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement, aber auch für Bücherarbeit und Heilige. Das Jahresthema 2011 bestätigt, daß es unter dem Motto „Engagiert für das Leben: Einsatz mit Gewinn" um den uneigennützigen, unentgeltlichen Einsatz für andere, um soziales Engagement von Bürgerinnen und Bürgern gehen soll. Niemand wird bestreiten wollen, daß dies wichtige Themen sind. Doch kaum jemand, der nur dies wahrnimmt, kommt wohl auf die Idee, daß die Woche für das Leben vor 20 Jahren aus ganz anderen Beweggründen eingeführt wurde, nämlich um für das Recht des ungeborenen Kindes auf Leben einzutreten. Ursprüngliches Ziel war es, sowohl innerkirchlich wie in Öffentlichkeit und Politik den Schutz des ungeborenen Lebens anzumahnen und vor der Akzeptanz der Abtreibung zu warnen. 1991 stand die Woche für das Leben folgerichtig unter dem Motto: „Schutz des ungeborenen Kindes".

Auch heute noch sagt die Deutsche Bischofskonferenz zu dieser jährlich wiederkehrenden Veranstaltungswoche: "Angesprochen ist jeder, der sich mit aktuellen Fragen zum Lebensschutz auseinander setzen möchte." Doch ist das so? Fühlt sich jeder angesprochen, der sich mit dem Lebensschutz auseinander setzen möchte? MEDRUM stellte diese Frage zum Beispiel Mechthild Löhr, der Bundesvorsitzenden der Christdemokraten für das Leben. Löhr weicht der Antwort nicht aus. "Nein!", lautet ihre klare Antwort mit Blick auf den Lebensschutz. Mit dem Schutz des ungeborenen Lebens habe die Veranstaltung leider kaum noch - wenn überhaupt - zu tun. Mit dem politisch bedingten Positionswechsel zur Abtreibung im Jahr 1992, mit dem Abtreibung in der Folgezeit nach Beratung straffrei gestellt wurde, hätten die Evangelische und Katholische Kirche in der "Woche für das Leben" immer seltener die Abtreibung oder gar ihre Verurteilung thematisiert. Aus der Woche für den Schutz des ungeborenen Lebens sei so etwas wie eine "Soziale Woche" geworden, so Löhr. Weder Löhr noch andere Lebensschützer stehen in der Beweisnot, wie die Empfehlungen der Veranstalter für die diesjährige Woche für das Leben belegen.

Mechthild Löhrs Bedenken werden verständlich, wenn der Blick auf die Realität des Abtreibungsgeschehens geworfen wird. Wie die offiziellen Abtreibungsstatistiken jedem vor Augen führen, sind alleine in den letzten 20 Jahren mindestens 2,5 Millionen ungeborene Kinder getötet worden. Das entspricht fast der Einwohnerzahl der beiden Millionenstädte Hamburg und München. Wird die Dunkelziffer berücksichtigt, kommt vermutlich noch eine stattliche Zahl weiterer Großraumstädte hinzu. Lebensschützer werden nicht müde darauf hinzuweisen, daß die tatsächlichen Zahlen noch um vieles höher liegen dürften, da viele Abtreibungen nicht in die offizielle Meldestatistik eingehen oder von ihr erfasst werden. Dennoch wird die massenhafte Tötung von ungeborenen Kindern nicht einmal in der diesjährigen Woche für das Leben thematisiert. Auch Beratung und Hilfe für schwangere Frauen in Notlagen sind kein Thema. Die Ausrichtung der diesjährigen Woche für das Leben ist symptomatisch für die Verdrängung des Themas, besonders in der Evangelischen Kirche, die sich am staatlichen System der Ausstellung sogenannter Beratungsscheine beteiligt, die zur straffreien Abtreibung berechtigen.

Wie stark die Verdrängung um sich greift, zeigte eine Initiative "Kinder sind eine Gabe Gottes", die vorschlug, das System der Ausstellung von Abtreibungsberechtigungsscheinen in der EKD zur Diskussion zu stellen und über eine Neuausrichtung der Schwangerschaftskonfliktberatung nachzudenken, um schwangeren Frauen und ihren ungeborenen Kindern wirksamer zu helfen (MEDRUM berichtete). Obwohl diese Initiative von mehr als 30 Organisationen und 20.000 Personen namentlich unterstützt wurde, war das Thema dem Rat und der Synode der EKD nicht einmal eine Diskussion wert. Sie waren also nicht einmal bereit, wenigstens ihre Ohren für den schmerzhaften Tod ungeborener Kinder zu öffnen. Der "Ulmer Appell" verhallte ungehört. Das Berechtigungssystem zur straffrei gestellten Abtreibung sollte gar nicht erst nicht in Frage gestellt werden. Auch die Katholische Kirche tat sich schwer. Sie stieg erst 2000 aus dem Beratungssystem für den Schwangerschaftsabbruch aus, nachdem dazu ein ernstes Wort durch den gerade selig gesprochenen Papst Johannes Paul II. aus Rom kam und hatte bis dahin ebenso verdrängt. Die Themen der Woche für das Leben 2011 stehen in der Kontinuität dieser Verdrängung.

In der Frage, wie mit dem Recht ungeborener Kinder auf Leben umgegangen wird, gilt nicht die sonst oft so gerne beschworene "Kultur des Hinsehens", sondern die "Kultur des Wegsehens". Empathie für das schwächste Leben? Fehlanzeige. Mit Eiseskälte wird es bei jedem Schwangerschaftsabbruch überwiegend auf Kosten der Solidargemeinschaft "entsorgt". Die Solidarität mit den Kleinsten der Kleinen hat keinen Vortritt. Die Kirchen marschieren hier nahezu im Gleichschritt mit der Politik, die seit vielen Jahren wegsieht. Sie sieht auch weg vom Auftrag des Bundesverfassungsgerichtes, die Gesetzgebung zum rechtswidrigen, doch straffreien Abbruch von Schwangerschaften auf ihren wirksamen Schutz des Lebensrechtes zu überprüfen. In der Politik wie in den Kirchen haben sich die Akteure - unter dem hier mehr als unkritischen Auge der Medien - mit einem Zustand arrangiert, der Jahr für Jahr zur massenhaften Tötung von ungeborenen Kindern führt. Doch dieser Teil des Lebensalltages, der Vernichtung von jüngstem Leben bedeutet, an dem es in Deutschland wie in kaum einem anderen Land mangelt, ist kein Thema der Woche für das Leben. Vor diesem Hintergrund betrachtet hat diese Veranstaltung nicht einmal den Titel "Soziale Woche" verdient.

Wirklich sozial wird die Woche für das Leben erst, wenn das Leben der Ungeborenen nicht ausgeklammert, sondern zum festen Bestandteil jeder Woche für das Leben gemacht wird. Erst dann kann diese Veranstaltung ihrem ursprünglichen Anspruch und Ausgangspunkt wirklich gerecht werden. weiter
Anläßlich des diesjährigen Muttertages, der am kommenden Sonntag gefeiert wird, erklärt Dr. Friederike Hoffmann, Vorsitzende des Arbeitskreises Familie des Bundesvorstands der Christdemokraten für das Leben (CDL):

Der bevorstehende Muttertag gibt erneut Anlaß, über den Stellenwert dieses Tages nachzudenken. Kommt ihm in unserer Gesellschaft wirklich noch eine Bedeutung zu, die über das Kommerzielle hinausgeht? Diese Frage stellt sich insbesondere mit Blick auf den Weltfrauentag, der, feministisch besetzt, den Wert der Arbeit von Frauen allein am Maßstab der berufliche Gleichstellung bestimmt.

Wir brauchen jedoch eine moderne Frauenpolitik, die die Tatsache mit einbezieht, daß viele Frauen mit Überzeugung und Begeisterung Mütter sind und dies bewußt sein wollen. Mutterschaft darf deshalb nicht länger im Gegensatz zu weiblicher Selbstverwirklichung und als deren Einschränkung gesehen werden, sondern als zentraler Aspekt ihrer Verwirklichung. Die Leistung von Frauen in der Familie, insbesondere die Erziehungsleistung, ist als eine geldwerte und gesellschaftlich wertvolle, der Erwerbsarbeit insoweit gleichrangige Leistung anzuerkennen.

Überholt ist inzwischen eine Sichtweise, die die Eigenständigkeit einer Frau allein anhand der Frage der Berufs- und Erwerbstätigkeit beurteilen will. Was berechtigt zu der Annahme, eine Entscheidung für Kinder könne nicht auch eine bewußte Lebensentscheidung sein, das Ergebnis gesetzter Prioritäten aufgrund einer Gewichtung, die natürlich immer auch persönlich ist? Angesichts der Wirklichkeit des Lebens erscheint eine einseitige Wertschätzung des beruflichen Erfolges realitätsfremd. Eine Gesellschaft, die vom Pluralismus der Lebensentwürfe geprägt ist, sogar den Pluralismus als einen der wichtigsten Werte verteidigt, muß es akzeptieren und respektieren, wenn Frauen auch in dieser Frage ihrer persönlichen Überzeugung folgen. Ein Feminismus, der die Mutterschaft bewußt ausklammert, verhindert Leistungsgerechtigkeit gegenüber Frauen, die Mütter sind, und erweist sich somit letztlich als frauenfeindlich.

Der Muttertag ist alljährlich eine wichtige Gelegenheit, die für unsere Gesellschaft unverzichtbare Leistung von Müttern bewußt und dankbar anzuerkennen, wenn dies schon leider materiell weitestgehend von Politik und Gesellschaft unterbleibt. Die drastisch gesunkene Anerkennung der Erziehungsleistung vor allem der Mütter dürfte eine entscheidende Rolle dafür spielen, daß immer weniger junge Frauen sich für ein Leben mit Kindern entscheiden. weiter
Von Erzbischof Charles J. Chaput, Denver
Zwei der größten Unwahrheiten in der Welt von heute sind die Behauptungen, dass das Christentum von geringer Bedeutung für die Entwicklung des Westens gewesen sei und dass die westlichen Werte und Institutionen ohne eine Verankerung in den christlich moralischen Grundsätzen aufrechterhalten werden könnten.

Die westlich zivilisierte Welt kann nicht losgelöst von ihrem zweitausendjährigen christlichen Kontext verstanden werden, in welchem sie sich entwickelt hat. Ein Volk, das seine Geschichte nicht kennt, kennt sich selbst nicht. Menschen, die vergessen wer sie sind, können leicht manipuliert werden. Unsere Gesellschaften sind von Geburt her christlich, und ihr Überleben hängt vom weiteren Bestand christlicher Werte ab. Unsere Hauptprinzipien und politischen Institutionen basieren in großem Maß auf der Moral des Evangeliums, der christlichen Sicht des Menschen, des Staates und der Würde der menschlichen Person. Entfernt man Christus, so entfernt man die einzig vertrauenswürdige Grundlage unserer Werte, Institutionen und Lebensweise. In der Welt von heute werden die Geschichte der Kirche und das Erbe der “westlichen” Gesellschaft verdrängt. Die Gleichgültigkeit gegenüber unserer christlichen Vergangenheit aber trägt nicht zur Verteidigung unserer Werte und Institutionen in der Gegenwart bei.

Der Relativismus ist zur Zivilreligion und allgemein verbreiteten Philosophie des Westens geworden. Angesichts des Pluralismus der modernen Welt neigt unsere Gesellschaft dazu, zu behaupten, dass niemand als Einzelner oder Gruppe ein Monopol an der Wahrheit besäße und alle Kulturen und Religionen als gleichberechtigt und gleich gültig respektiert werden sollten.

In der Praxis sehen wir jedoch, dass unsere politischen Institutionen und Sprache ohne das Vertrauen in feste moralische Grundsätze und eine transzendente Wahrheit zu einem Instrument im Dienste einer neuen Barbarei werden. Im Namen der Toleranz tolerieren wir die schlimmste Intoleranz. Der Respekt für andere Kulturen führt oft zur Herabwürdigung unserer eigenen Kultur. Die Vorstellung von “Leben und leben lassen” dient als Rechtfertigung der Starken auf Kosten der Schwachen zu leben. Abtreibung, Kindstötung und Euthanasie, Embryonenforschung und eugenische Versuchungen zielen auf die Beseitigung der Armen ab, der Behinderten und der schwachen älteren Menschen. Ohne ein Fundament in Gott oder eine höhere Wahrheit können unsere demokratischen Institutionen sehr leicht zu Waffen gegen die Schwachen und unsere eigene menschliche Würde werden. Die Menschenrechte kommen von Gott und der Staat sollte existieren, um die Rechte des Menschen zu schützen und sein Gedeihen zu befördern, aber er kann niemals die Quelle solcher Rechte sein. Maßt sich der Staat für sich selbst eine solche Gewalt an, kann sogar selbst eine Demokratie totalitär werden, nämlich dann, wenn der Wille der Mächtigen und Starken sich das Gesetz so zurechtlegt, dass damit die Schwachen zu beseitigt werden.

Die christlichen Überzeugungen, die den säkularen Westen im höchsten Maße irritieren, sind jene, welche die Abtreibung, die Sexualität und die Ehe zwischen Mann und Frau betreffen. Diese Überzeugungen bringen die Wahrheit über den Sinn menschlicher Fruchtbarkeit, seines Daseins und seiner Bestimmung zum Ausdruck. Diese Wahrheiten muten rebellisch an in einer Welt, die uns glauben machen möchte, dass Gott unnötig sei und das menschliche Leben keinen ihm innewohnenden höheren Sinn besäße. Das ist die Kultur des Todes. Von daher versteht sich, warum die Kirche bekämpft und bestraft werden muss, eben weil sie sich für das umfassende Leben einsetzt. Deshalb wird sie aber auch als widerspenstigste und gefährlichste Häretikerin der neuen Weltordnungspolitik angesehen.

Die Kirche ist dazu aufgerufen, eine Glaubensgemeinschaft des Widerstandes zu sein. Wir müssen die Dinge bei ihrem wahren Namen nennen. Wir müssen die Missstände bekämpfen, die wir sehen. Wir müssen das wirklich glauben, von dem wir behaupten, dass wir es glauben. Dann müssen wir dieses mit dem Zeugnis unseres eigenen Lebens bezeugen. Überzeugt von der Wahrheit des Glaubens, sollten wir Feuer und Flamme sein, nach diesen Wahrheiten zu leben, diese Wahrheiten zu verteidigen, auch bis hin zu dem Punkt, wo wir selbst Ausgrenzung erfahren und leiden müssen. Die Lektion des 20.Jahrhunderts besteht darin, dass es keine billig verdiente Gnade gibt. Dieser Gott, an den wir glauben, liebte die Welt so sehr, dass er seinen einzigen Sohn sandte, um für diese zu leiden und zu sterben. So fordert er uns heraus, ebenso mutig und opferbereit zu leben, wie uns das von Jesus Christus gezeigt worden ist.

Freie Menschen, wie es Christen in der Tat sind, können nicht frei bleiben ohne religiösen Glauben und die Tugenden, die diesen stützen. Trennung zwischen Kirche und Staat heißt nicht, das öffentliche Leben auf radikale Weise zu säkularisieren. Der Begriff “freedom of worship” oder Bekenntnisfreiheit ist eine ziemlich restriktive Vorstellung, die heutzutage oft politisch benützt wird. Aber unsere Gründerväter hatten nicht die Absicht, die Religion aus dem öffentlichen Raum und den öffentlichen Angelegenheiten zu verbannen.

Sie wollten den Bürgern die Freiheit garantieren, ihren Glauben öffentlich und entschieden leben zu können, und auch, ihre religiösen Überzeugungen bei der Schaffung einer gerechten Gesellschaft einzubringen. Religionsfreiheit beinhaltet das Recht, zu predigen, zu lehren, sich zu versammeln, sich zu organisieren, sowie die Gesellschaft und die öffentlichen Angelegenheiten prägen zu wollen – und dies sowohl als Individuen als auch im Zusammenschluss als Glaubensgemeinschaften. Das bedeutet freie Ausübung der Religion.

Lesen Sie hier den vollständigen Text von Erzbischof Chaput auf Englisch.



Der Text ist ein Beitrag aus der Publikation „Exiting a Dead End Road. A GPS for Christians in Public Discourse“ (2011, Kairos Publications, herausgegeben von Gudrun and Martin Kugler). Sie können das vollständige Buch als eBook oder im Hardcover-Format erwerben. – zur Beschreibung und den Verkaufsbedingungen klicken Sie bitte hier. weiter
What Matters to Mothers in Europe
Die Bewegung der Mütter in Europa stellt nun die Ergebnisse einer EU-weiten Befragung von über 11.000 Müttern vor. Die Ergebnisse dieser von der EU finanzierten Studie liegen in der "Was uns Mütter aus Europa zu sagen haben..." (zum downloaden : English , Français, Svenska, Español unter www.mmm.org)
vor.

http://www.mmmeurope.org/sites/mmmeurope.org/files/documents/MMM%20Facts%20and%20Figures.pdf

http://www.mmmeurope.org/sites/mmmeurope.org/files/documents/Press%20Release%20MMM%20ENGLISH.pdf

Diese Broschüre wurde an an 7000 europäische Parlamentarier sowie an 250 verschiedene Organisationen versendet.

Die MMM fordert uns auf, unser Anliegen mit Kommunalpolitikern und Pressekontakten zu teilen. Jede Stimme zählt um unsere Gesellschaft diesbezüglich zum Besseren zu führen! weiter
Schleichende Entwicklung hin zu einer Kultur der Lebensvernichtung
FRANKFURT, Montag, 18. April 2011 (ZENIT.org/KNA) Eine schleichende Entwicklung hin zu einer Kultur der Lebensvernichtung hat Kardinal Joachim Meisner beklagt. Seit Jahren befinde sich die Gesellschaft bei den Themen Sterbehilfe, Abtreibung und Embryonenschutz auf einer „schiefen Ebene", schreibt der Kölner Erzbischof in einem Beitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung". Allmählich vollziehe sich so „der Zusammenbruch der Ethik des Grundgesetzes, die sich der jüdisch-christlichen Auffassung vom gottebenbildlichen Menschen verdankt".

Aus der Sicht des Kardinals steht am Anfang dieser Entwicklungen stets „eine für die Grenzüberschreitung aufgeschlossene Atmosphäre" aus scheinbar harmlosen Motiven. So sei mit Verweis auf das Leid ungewollt kinderloser Paare die künstliche Befruchtung erfunden worden. Bedenklich sei es erst geworden, als bekannt wurde, dass nicht verwendete Embryonen tiefgekühlt oder zerstört werden. Inzwischen gebe es die Möglichkeit, behinderte Embryonen mittels Gentests zu selektieren und zu vernichten. Dahinter stehe die Frage: „Warum soll man einen Menschen, den man durch künstliche Befruchtung 'produziert' hat, nicht frühzeitig auf seine Produktqualität testen?"

Auch beim Thema Abtreibung sei es zunächst um die Notlage von Frauen gegangen. Inzwischen werde die Abtreibung aber wie ein Verhütungsmittel eingesetzt. Zugleich sei auch hierbei die Tötung Behinderter immer weiter fortgeschritten. Kardinal Meisner wörtlich: „Dafür gilt nun in Deutschland eine Hasenscharte als ausreichender Grund, ein Kind mit medizinischer Indikation noch im Geburtskanal mit einer Kaliumspritze ins Herz zu töten. Dieser Eingriff ist Kassenleistung."

Eine Radikalisierungstendenz sieht Meisner auch bei der sogenannten Sterbehilfe. Anfangs sei es um einige „Extremfälle" von Menschen gegangen, die nicht mehr leben wollten. „Dann gab es den Ruf nach dem Recht auf Euthanasie, wenn ein Mensch das will." Mittlerweile gebe es etwa in den Niederlanden dank eines liberalen Sterbehilfegesetzes nicht mehr genügend Schmerztherapien. Dafür würden pro Jahr aber „etwa 900 Menschen im Jahr mit Kommissionsbeschluss totgespritzt", ohne zugestimmt zu haben.

Solche vermeintlichen Fortschritte seien in Wahrheit Rückschritte und das Resultat der Rückkehr eines Heidentums in moderner Gestalt, schreibt Meisner. Das Christentum stehe dagegen für das Mitleid. Der Kardinal appellierte besonders an Ärzte, „dass manchmal ein Schritt zurück von der schiefen Ebene ein Fortschritt sein kann". weiter
Ein Aufruf von EuropeanDignityWatch, aktiv zu werden
EuropeanDignityWatch fordert die EU-Bürger auf, bis 30. April die Möglichkeit im Rahmen der europaweiten Bürgeranhörung die Fragen der EU-Kommission zum
Grünbuch der EU-Kommission: "Weniger Verwaltungsaufwand für EU-Bürger" zu beantworten. Jeder EU-Bürger, jede Organisation hat die Möglichkeit, einen Kommentar zu diesem Grünbuch einzureichen.
Dieses Grünbuch impliziert, so die Analyse von EuropeanDignityWatch, dass durch die Hintertür das Ehe- und Familienstandsrecht europaweit zwangsvereinheitlicht wird. Mehr Infos hier ... weiter
STRASBOURG, April 7 (C-FAM)
The 47 Member States of the Council of Europe are close to finalizing a new convention that defines “gender” as a social construct, rather than as a distinction grounded in biology.

According to the new Council of Europe convention on eliminating violence against women, gender “shall mean the socially constructed roles, behaviors, activities and attributes that a given society considers appropriate for women and men.”

Even though “gender” has appeared in other documents, no binding definition of the word has ever been accepted by Council of Europe members. This draft Convention would be the first international treaty to add a sociological component of gender to the universally understood biological context.

Luca Volontè, a member of the Parliamentary Assembly of the Council of Europe, told the Friday Fax, "The ideological thrust of many movements and lobbies linked to the ideology of 'gender' has ruined the text of a convention that could be very important. Defending women and combating discrimination is a necessity, but this text makes the situation worse and creates new barriers and discriminations.” Volontè said that it was now the responsibility of the Committee of Ministers to change the gender definition or “permanently give up the text.”

This new “social construct” definition is at odds with the definition in the Rome Statute of the International Criminal Court – which this new convention cites. The Rome Statute states that: "For the purposes of this Statute, it is understood that the term "gender" refers to the two sexes, male and female, within the context of society. The term 'gender' does not indicate any meaning different from the above.”

Patrick Fagan, family scholar at the US-based Family Research Council, said that the use of a social construct definition of gender is “evidence of thought so divorced from reality as to be a form of mental illness, possible only to those who have spent years being miseducated in the upper levels of the modern university.” Fagan warned that the implications are “massive” as “it puts all forms of sexuality, including deviance, on the same level.”

At a UN meeting last month, many delegations were baffled by the staunch resistance of the EU to reference the ICC definition of gender despite wide support for the proposal. The EU tried to quell any fears by reassuring that the ICC definition was unnecessary because everyone was clear on the definition of gender. As negotiations dragged on, one delegate rebuffed the EU explanation retorting, “If it’s really not a problem, then why can’t we plainly state what it means?”

Further to the redefinition of gender, the new convention adds controversial new non-discrimination categories based on gender, sexual orientation and gender identity. According to a backgrounder on the convention these terms include “categories of individuals such as transgender or transsexual persons, cross-dressers, transvestites and other groups of persons that do not correspond to what society has established as belonging to ‘male’ or ‘female’ categories.”

The committee of ministers will take action on the draft convention in the coming days. weiter
Nach dem dritten Bericht zur Demografie, der heute in Zusammenarbeit mit Eurostat veröffentlicht wurde, leben die Europäer länger und gesünder. Der Bericht zeigt auch, wie sich die Struktur der europäischen Bevölkerung weiterhin dadurch wandelt, dass die Zahl der Menschen, die älter als 60 Jahre sind, jedes Jahr um 2 Millionen steigt. Er bestätigt die jüngsten Trends und ... weiter
Wie kann die EU die Rechte des Kindes vor Gericht schützen? Was kann sie tun, damit Entscheidungen in grenzübergreifenden Sorgerechtsfällen so schnell wie möglich vollstreckt werden? Wie kann verhindert werden, dass unsere Kinder online drangsaliert werden? Die Europäische Kommission hat heute eine EU-Agenda zur Stärkung der Rechte des Kindes vorgelegt. Dieses Ziel soll durch die Umsetzung der Prinzipien der EU-Charta für Grundrechte erreicht werden. Eine Reihe der in der Agenda enthaltenen konkreten Maßnahmen, z. B. die Förderung einer kindgerechten Justiz, verständlichere Informationen für Kinder über ihre Rechte und ein besserer Schutz für Kinder im Internet, betreffen das Wohlergehen und die Sicherheit von Kindern, also Bereiche, in denen ein Tätigwerden der Union einen echten Mehrwert bewirken kann.

„Die Rechte des Kindes sind Grundrechte“, erklärte Viviane Reding, die in der Kommission für das Ressort Justiz verantwortlich ist. „Die EU und ihre 27 Mitgliedstaaten müssen dafür sorgen, dass Kinder geschützt werden und das Wohl des Kindes der Maßstab unseres Handelns ist. Kindgerechte Justiz bedeutet insbesondere, dass die Rechte des Kindes berücksichtigt werden, wenn Kinder mit dem Justizwesen in Kontakt kommen, sei es als Opfer oder Verdächtige oder wenn ihre Eltern sich scheiden lassen oder über das Sorgerecht streiten.“

Vizepräsident Antonio Tajani betonte, dass es wichtig sei, sexuelle Ausbeutung von Kindern im Bereich Tourismus zu bekämpfen. „Sexuelle Ausbeutung ist ein Verbrechen, eine schwerwiegende Verletzung der Menschenwürde und der physischen und psychischen Integrität von Kindern. Auf diesem Gebiet brauchen wir gemeinsame Strategien, die Zusammenarbeit auf internationaler Ebene sowie Sensibilisierung und entschlossenes Handeln. Die von der Kommission kürzlich angenommene Mitteilung über Tourismus sieht spezielle Maßnahmen zur Bekämpfung der Ausbeutung von Kindern vor“, fügte er hinzu.

Die heute vorgestellte EU-Agenda sieht elf Aktionen vor, die die Kommission in den nächsten Jahren durchführen wird. Ziel ist es, dass sich die EU-Organe und die Mitgliedstaaten erneut verpflichten, die Rechte des Kindes in allen relevanten Politikbereichen der EU zu stärken, zu schützen und in konkrete Ergebnisse umzumünzen. Künftig sollten Maßnahmen der EU, die Kinder mittelbar oder unmittelbar betreffen, in einer Weise konzipiert, umgesetzt und überwacht werden, die dem Grundsatz des Kindeswohls Rechnung trägt.

Kinder können sich beim Kontakt mit der Justiz mehreren Schwierigkeiten gegenübersehen. Ist das System nicht auf Kinder ausgerichtet, können schlimmstenfalls ihre Rechte verletzt werden. Darüber hinaus benötigen insbesondere benachteiligte Kinder, die in Armut aufwachsen, sozial ausgegrenzt werden oder behindert sind, besonderen Schutz. Die Kommission wird im Rahmen eines Vorschlags zum Opferschutz Kinder besonders berücksichtigen und spezielle rechtliche Garantien für Kinder, die einer Straftat verdächtigt werden, vorsehen und die Vorschriften für grenzübergreifende Sorgerechtsfälle überarbeiten.

Die Kommission wird Kinder im Umgang mit dem Internet schützen und sich bemühen, sie zu kompetenteren Nutzern zu machen und sie vor Cyber-Bullying und -Grooming, schädlichen Inhalten und sonstigen negativen Erfahrungen bei der Nutzung von Online-Technologien zu bewahren suchen. Sie will die Kinder sensibilisieren und bei ihnen ein aktives staatsbürgerliches Verhalten fördern. Deshalb wird sie auf dem Webportal EUROPA eine gesonderte Einstiegsseite für Kinder mit leicht zugänglichen Informationen über die Rechte von Kindern und einschlägigen EU-Maßnahmen einrichten.

Das Engagement der Kommission für die Rechte von Kindern ist im Rahmen ihrer Bemühungen zur Umsetzung der Grundrechtecharta zu sehen, die für die EU-Organe rechtsverbindlich ist, wenn sie Gesetze vorschlagen, und die Mitgliedstaaten bei der Umsetzung von EU-Recht bindet. Im Oktober 2010 nahm die Kommission eine Strategie für die wirksame Umsetzung der EU-Grundrechtecharta an (IP/10/1348). Im nächsten Monat wird sie den ersten Jahresbericht zum Thema Grundrechte vorstellen, in dem auch die Fortschritte bei der Anwendung der Rechte des Kindes beobachtet werden.


Überblick über die elf Maßnahmen
Die Kommission wird insbesondere durch Folgendes zu kindgerechteren Justizsystemen in der EU und zum Wohlergehen der Kinder beitragen:
1. Annahme eines Vorschlags für eine Richtlinie zum Opferschutz, durch die das Schutzniveau für besonders schutzlose Opfer wie Kinder erhöht werden soll (2011);
2. Vorlage eines Vorschlags für eine Richtlinie über spezielle rechtliche Garantien für schutzwürdige Tatverdächtige oder Angeklagte, einschließlich Kinder (2012);
3. Überarbeitung der EU-Rechtsvorschriften zur Erleichterung der Anerkennung und Vollstreckung von Entscheidungen in Fragen der elterlichen Verantwortung mit dem Ziel, im Interesse des Kindes dafür zu sorgen, dass die Entscheidungen so schnell wie möglich anerkannt und vollstreckt werden, und gegebenenfalls gemeinsame Mindeststandards festzulegen (bis 2013);
4. Förderung der Publizität der Leitlinien des Europarates vom 17. November 2010 für eine kinderfreundliche Justiz, die in künftigen Rechtsinstrumenten im Bereich Zivil- und Strafjustiz berücksichtigt werden sollen;
5. Unterstützung und Förderung von Fortbildungsmaßnahmen auf europäischer Ebene für Richter und Angehörige anderer einschlägiger Berufsgruppen im Hinblick auf die bestmögliche Partizipation von Kindern im Rahmen der Justiz.
6. Die Kommission wird den Austausch bewährter Verfahren und die Verbesserung der Ausbildung von Betreuern und Behörden, die engen Kontakt zu unbegleiteten Kindern haben, fördern (2011-2014).
7. Die Kommission wird innerhalb des EU-Rahmens für nationale Strategien zur Integration der Roma, der im Frühjahr 2011 angenommen werden soll, den Kindern einen besonderen Stellenwert einräumen und vor allem auf eine intensivere Nutzung der Strukturfonds zur Integration der Roma hinwirken.
8. Die Kommission wird alle Mitgliedstaaten nachdrücklich dazu zu bewegen suchen, für die rasche Einführung und Betriebsbereitschaft der Hotline 116 000 für vermisste Kinder und der Systeme zur Alarmierung der Öffentlichkeit zu sorgen, und sie dabei unterstützen (2011-2012).
9. Die Kommission wird die Mitgliedstaaten und sonstigen Akteure dabei unterstützen, noch mehr vorbeugende Maßnahmen zum Schutz der Kinder gegen Drangsalierungen und Cyber-Bullying, schädliche Inhalte und sonstige negative Erfahrungen bei der Nutzung von Online-Technologien zu ergreifen, wobei sie vor allem auf das Programm für mehr Sicherheit im Internet zurückgreifen und bei der einschlägigen Industrie auf eine Selbstregulierung hinwirken wird (2009-2014).
10. Die Umsetzung der EU-Leitlinien für die Förderung und den Schutz der Rechte des Kindes, in deren Mittelpunkt die Bekämpfung jeglicher Art von Gewalt gegen Kinder steht. Die EU wird deren Umsetzung evaluieren und die Leitlinien zum Thema Kinder und bewaffnete Konflikte umsetzen, die auf der überarbeiteten Umsetzungsstrategie von 2010 basieren.
11. Die Kommission wird im Laufe des Jahres 2011 auf dem Webportal EUROPA eine gesonderte Einstiegsseite mit Informationen für Kinder und über die Rechte von Kindern einrichten. Sie wird die übrigen EU-Organe dazu ermuntern, sich der Initiative anzuschließen.

Hintergrund
Gemäß dem Vertrag von Lissabon ist die EU verpflichtet, den Schutz der Rechte des Kindes zu fördern. Die Rechte des Kindes gehören zu den Grundrechten, die die EU nach Artikel 24 der EU-Grundrechtecharta achten muss. Außerdem haben alle 27 EU-Mitgliedstaaten das Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte des Kindes ratifiziert.

Die Strategie Europa 2020 (IP/10/225) und der Aktionsplan der Kommission zur Umsetzung des Stockholmer Programms (IP/10/447) haben für das 21. Jahrhundert die Vision eines Europa entwickelt, in dem die Kinder bessere Bildungschancen und einen besseren Zugang zu den Leistungen und Ressourcen erhalten, die sie benötigen, um erwachsen zu werden, und in dem ein wirksamerer Schutz ihrer Rechte gewährleistet ist.

Weitere Informationen:

Die Rechte des Kindes in der EU:
http://ec.europa.eu/justice/policies/children/policies_children_intro_en.htm.

Presseraum der Generaldirektion Justiz:
http://ec.europa.eu/justice/news/intro/news_intro_en.htm

Homepage von Viviane Reding, Vizepräsidentin der Kommission und EU-Kommissarin für Justiz, Grundrechte und Bürgerschaft:

http://ec.europa.eu/commission_2010-2014/reding/index_de.htm

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Europäisches Parlament
Arbeitsgruppe "Familie, Kinderrechte und Solidarität zwischen den Generationen"
Dr. med. Anna Záborská MdEP, Vorsitzende
Büro ASP 3 F 357
B-1047 Brüssel
Tel +32.475.86.40.64 weiter

02.02.2011 Gender-Theorie

Die gespenstischen Anfänge der Gender-Theorie
International spielt die "Gender-Theorie" eine bedeutende Rolle. Angeblich geht es dabei um eine anscheinend mögliche "sexuelle Selbstbestimmung" des Menschen Diese Theorie wird als Grundlage für politische Entscheidungen gewählt und im Bundesfamilienministerium existiert eine eigene "Gender"-Abteilung.
Die Information der Europäischen Ärzteaktion "MEDIZIN & IDEOLOGIE" (Nr. 3+4/2010, S.48) veröffentlichte jetzt einen Beitrag von Dr. Andrea Neuhaus, die Anfänge dieser Theorie beschreibt.

Die gespenstischen Anfänge der Gender-Theorie von Dr. ANDREA NEUHAUS, Bloq „Literatur und Leben'; v. 30. September 2009

In Memoriam
DAVID REIMER (22. Aug. 1965 als Bruce Reimer-4. Mai 2004) und BRIAN REIMER (22. August 1965- 1. Juli 2002)


»Ich kann schwerlich glauben, daß ein geniales Werk nicht zugleich Ausdruck einer selbst genialen, d.h. an Echtheit reichen Menschlichkeit sein müßte. Es besteht eine innige Verbindung zwischen echter Schönheit und echter Menschlichkeit. Mit dem Irrtum wird man nie echte menschliche Meisterwerke schaffen.«

Jean Danielou, Rebellion und Kontemplation

Den Namen David Reimer kennen die wenigsten. Doch sollte er immer fallen, wenn von der Gender-Theorie die Rede ist und die Vorstellung propagiert wird, die geschlechtliche Identität sei keine biologische, sondern eine soziale Festlegung. David Reimer ist das erste Opfer dieser Ideologie, und sein trauriges Schicksal beweist ihr vollständiges Scheitern. Er wurde zu einem menschlichen Versuchskaninchen gemacht, zum Mittelpunkt eines skrupellosen Experiments. Aus ihm wurde gewaltsam ein Mädchen gemacht.

Am 22. August 1965 kamen im kanadischen Winnipeg die eineiigen Zwillinge Brian und Bruce Reimer zur Welt. Mit sieben Monaten wurden sie für eine Vorhautbeschneidung ins Krankenhaus eingewiesen. Durch einen Fehler bei der Operation wurde Bruce schwer verletzt, er verlor seinen Penis. Eine Rekonstruktion war beim damaligen Stand der Medizin nicht möglich. Die Eltern, Ron und Janet Reimer sprachen mit vielen Ärzten, doch keiner konnte ihrem Jungen helfen. Ihm wurde prognostiziert, dass er nie ein normales Sexualleben würde haben können und später allein bleiben rnüßte - „unvollständig und mit körperlichen Mängeln behaftet" (Colapinto, S. 32). Wenige Monate später sahen die verzweifelten Eltern im Fernsehen den Sexualforscher Dr.John Money von der John Hopkins Universität in Baltimore. Ein charismatischer Mann voller Selbstvertrauen, der enthusiastisch über die Möglichkeiten der Geschlechtsumwandlung sprach. Ron und Janet waren aufgeregt, als sie ihn hörten, dennoch verstanden sie seine wichtigste Botschaft sofort: Das Geschlecht eines Babys spielt keine Rolle, denn man kann es verändern. Erziehung, nicht die Natur bestimme geschlechtliche Identität. So sei es möglich, aus einem kleinen Jungen ein kleines Mädchen zu machen. Zur Bekräftigung seiner Theorie hatte Monev eine hübsche und betont feminine Frau mit in die Sendung gebracht, sie war geschminkt, trug einen kurzen Rock, hohe Schuhe: ein Transsexueller.

Die Reimers schöpften Hoffnung. Vielleicht war das eine Möglichkeit für ihren kleinen Bruce. Ron und Janet Reimer, zwei einfache junge Leute, beide erst 20, wollten für ihren Sohn das Beste. Sie schrieben an Monev, und der Wissenschaftler lud die Familie nach Baltimore ein. Sie waren schnell einig: Aus Bruce sollte eine Frau werden.

Damals wußten die Reimers noch nicht, daß sie einem Irrtum aufsaßen. Sie waren davon überzeugt, daß Moneys Verfahren bereits erprobt sei. Doch dies war nicht der Fall: Der Beweis für seine Theorie mußte noch erbracht werden, und Bruce war in den Augen des Wissenschaftlers der ideale Kandidat. Ein besonderer Glücksfall war es, daß Bruce Teil eines Zwillingspaars war. So konnte sein Bruder Brian von Anfang an als Kontrollinstanz herhalten - „ein genetischer Klon, der mit einem intakten Penis und intakten Hoden als Junge aufwuchs" (Colapinto, S. 13).

Dr. John Money, geboren 1921 in Neuseeland, war nach dem Zweiten Weltkrieg in die Vereinigten Staaten gegangen. Seit 1951 war er Professor für medizinische Psychologie in Baltimore. Er galt als brillanter Kopf, war aber berüchtigt für seine Wutanfälle. geringsten Widerspruch reagierte er mit ungewöhnlicher Schärfe. Seine Studien über Intersexuelle - Menschen, bei denen das körperliche Geschlecht uneindeutig ist - hatten ihn zu der Annahme geführt, daß nicht die Veranlagung, sondern Erziehung die Geschlechtsidentität maßgeblich bestimme. Die Theorie, die er bei seiner Arbeit mit Intersexuellen entwickelt hatte, verallgemeinerte er, weitete sie aus auf alle Kinder: Er ging davon aus, daß jeder Mensch als psychosexuell neutrales Wesen zur Welt komme. Geschlechtlichkeit sei bei der Geburt psychologisch noch nicht differenziert, dies geschehe erst durch Lernerfahrungen. So vermutete er, daß die psychosexuelle Veranlagung eines Kindes innerhalb der ersten zweieinhalb Lebensjahre leicht zu beeinflussen sei. Doch ein anderer Forscher stellte Moneys Theorien schon Mitte der 60er in Frage: Milton Diamond war überzeugt, daß vorgeburtliche Faktoren für die menschliche Geschlechtsidentität entscheidend seien und dem Einfluß von Erziehung, Kultur und Umwelt Grenzen setzten. Die Geschlechtsidentität sei schon kurz nach der Empfängnis ausgeprägt. Diarnond bestritt, daß eine Geschlechtsneuzuweisung bei einem Kind möglich sei, dessen körperliches Geschlecht eindeutig war - daß man z.B. aus einem Jungen, der mit normalen Genitalien geboren war, ein Mädchen machen könne.

Money war also in Zugzwang geraten. Das Verfahren der Geschlechtsneuzuweisung war bisher nur bei Babys mit einer angeborenen Mißbildung vorgenommen worden. Die Reimers kanten für Money wie gerufen: An Bruce würde er seine Theorie überprüfen können, er sollte als Beispiel dienen für ein normal männlich geborenes Kind, das als ein unauffälliges und glückliches Mädchen aufwächst.

Money drängte die Eltern zur Eile. Denn Bruce war inzwischen 19 Monate alt. Wenn man zu lange wartete, erklärte er den Reimers, wäre seine Geschlechtsidentität Geschlechtsidentität als Junge bereits fest Verankert. Bruce wurde einer Kastration und weiteren operativen Eingriffen unterzogen. Er wurde Brenda genannt und als Mädchen erzogen. Seine Eltern kauften ihm Röcke und Kleider, Schminke und Mädchenspielzeug. Niemand sagte ihm, daß er ein Junge war. Doch „Brenda" wollte nicht mit Puppen oder ihrer Spielzeugnähmaschine spielen. Sie benutzte ihr Hüpfseil, um andere Kinder zu schlagen, spielte mit den Baggern und Kränen ihres Bruders Brian, wünschte sich Spielzeugautos und -pistolen, wollte toben, sich raufen, Soldat spielen. Mit zehn konnte „Brenda" ausgezeichnet mit der Schrotflinte schießen, die ihre Eltern Brian gekauft hatten. Schon früh wurde „Brenda" zum Gespött der anderen Kinder, weil sie den steifen Gang eines Revolverhelden hatte. Als Berufswunsch äußerte sie Müllmann, weil es ein leichter und gut bezahlter Job sei. Wenn sich die sieben jährige „Brenda" ihre Zukunft vorstellte, sah sie sich als jungen Mann mit Schnurrbart, der einen Sportwagen fährt. Sie zeigte schlechte Leistungen in der Schule und war völlig isoliert. Die anderen Kinder nannten sie „Höhlenmensch".

Janet Reimer mußte Money schriftlich von den Fortschritten des Kindes Bericht erstatten, und einmal im Jahr besuchten die Zwillinge den Wissenschaftler in Baltimore. „Brendas" männliches Verhalten bezeichnete er - beschwichtigend - als typisches „Wildfangverhalten". Vom Gelingen des Experiments überzeugt, veröffentlichte er die Geschichte von Bruce/Brenda als John/Joan-Fall, der später als eines der berühmtesten Fallbeispiele der medizinischen Literatur gelten sollte. Nun schien bewiesen, daß eine erfolgreiche Neuzuweisung des Geschlechts auch bei einem Kleinkind, das mit eindeutiger Geschlechtsidentität geboren war, möglich war. Money behauptete, aus den beiden Zwillingsbrüdern seien glückliche, unauffällige Kinder unterschiedlichen Geschlechts geworden. Moneys Kerngedanke schien bestätigt: Nicht die biologische Veranlagung, sondern Lernen und Umwelt seien die Hauptfaktoren, die zur Herausbildung der Geschlechtsidentität führten. Mit seinem Buch „Man and woman, boy and girl" (1973) gelang Money der wissenschaftliche Durchbruch. Die Frauenbewegung der 70er Jahre griff den John/Joan-Fall als Beweis auf, daß die Unterschiede zwischen den Geschlechtern Ergebnis kultureller Konditionierung seien. Moneys Verfahren wurde zur Standardbehandlung Neugeborener mit verletzten oder mißgestalteten Genitalien.

Während Money seinen Erfolg feierte, wurde das Kind „Brenda" immer unglücklicher. Sie vereinsamte und wollte nicht mehr zur Schule gehen. Die jährlichen Besuche bei Money fürchtete und verabscheute sie. Denn der Forscher zwang „Brenda" und Brian mit ihm in verletzender Offenheit über ihre Geschlechtsorgane und ihre sexuellen sehe zu sprechen. Die Kinder mußten sich gegenseitig an den Genitalien untersuchen und sexuelle Posen nachstellen, Money zeigte ihnen pornographische Bilder. „Brenda" mußte sich Photos des Geburtsvorgangs anschauen. Die Sitzungen mit, dem Sexologen traumatisierten die Zwillinge, die Erinnerungen daran konnten sie auch als Erwachsene nicht ertragen.

Als die Pubertät begann, erhielt „Brenda" weibliche Hormone. Ihr wuchsen Brüste. Sie aß sich Fettschichten an, um sie zu verstecken. „Brenda" durchlief', unerwartet für die Ärzte, den Stimmbruch und fing an, sich für Mädchen zu interessieren. Der verblendete Wissenschaftler Money dichtete ihr eine lesbische Veranlagung an. Money wollte sein Werk vollenden, und es fehlte nur noch der letzte Schritt. Er wollte „Brenda" eine künstliche Vagina formen lassen. Schon seit Jahren widersetzte sie sich diesem Eingriff'. Bei einem Besuch in Baltimore führte Money „Brenda" einen Transsexuellen vor, der sie von der Operation Überzeugen sollte und stattdessen lähmendes Entsetzen in ihr hervorrief. Danach weigerte „Brenda" sich, noch einmal nach Baltimore zu reisen.

Am 14. März 1950 sagten die Eltern ihren Söhnen nach Rücksprache mit den Ärzten endlich die Wahrheit. Der Junge, der Brenda genannt worden war, wählte für sich den Namen David, nach dem Bezwinger Goliaths. Er zeigte sich von der Enthüllung vor allem erleichtert. Denn schon als kleines Kind hatte er Zweifel, er war mit dem beunruhigenden Gefühl großgeworden, daß ihm etwas verheimlicht wurde. David beschloss, sein biologisches Geschlecht wieder anzunehmen. Er bekam Testosteronspritzen und unterzog sich einer zweifachen Brustamputation. Später ließ er seinen Penis wiederherstellen die Medizin hatte inzwischen bessere Rekonstruktionsmöglichkeiten entwickelt. Seelische Stabilität gewann er dadurch, nach den schrecklichen Erfahrungen seiner Kindheit und Jugend, freilich nicht. Später sagte er: „Was würde ich dafür geben, wenn ein Hypnotiseur meine ganze Vergangenheit auslöschen könnte. Denn sie ist eine unerträgliche Qual. Was sie einem körperlich angetan haben, ist mitunter nicht annähernd so schlimm wie das, was man geistig erdulden mußte ... es war ein Psychokrieg im eigenen Kopf." (Colpatino, S. 12) David unternahm in den folgenden Jahren mehrere Selbstmordversuche mit Antidepressiva. Sein Bruder Brian wurde von der neuen Situation vollkommen aus der Bahn geworfen, er glitt ab, Diebstähle, Drogen Lind Schlägereien gehörten zu seinem Alltag. Auch er, das zweite Opfer des skrupellosen Experiments, beging einen Selbstmordversuch. 1981 verließ Brian mit 16 Jahren die Schule. Er heiratete mit 19, wurde Vater von zwei Kindern, die Ehe scheiterte nach wenigen Jahren. Er wurde arbeitslos, begann zu trinken und verfiel in Depressionen.

David heiratete 1990 Jane Fontane, eine junge Frau, die bereits Mutter war. Er adoptierte ihre Kinder. Beruflich war er erfolglos, nie hatte er eine Ausbildung beenden können. Brian starb mit 36 Jahren: Er beging im Juli 2002 mit einer Überdosis Tabletten Selbstmord. David, tief erschüttert, besuchte sein Grab fast jeden Tag. Am 4. Mai 2004 nahm sich David Reimer das Leben. Er wurde 38 Jahre alt.

Noch lange, nachdem David wieder zu seiner männlichen Identität zurückgekehrt war, behauptete Dr. Money, sein Experiment mit den Zwillingen sei gelungen. Er wollte seine Theorie nicht von der Realität korrigieren lassen. Erst 1997 erfuhr die Fachöffentlichkeit durch eine Veröffentlichung in einer medizinischen Fachzeitschrift, daß sich David von Anfang an gegen die aufgezwungene Identität zur Wehr gesetzt hatte. Einer der Autoren des Aufsatzes war Milton Diamond, der Moneys Thesen immer wieder widerlegt hatte. Er und sein Mitautor Keith Sigmundson machten deutlich, daß Davids Fall das Gegenteil dessen belegt, was von Money behauptet worden war. Sie schlossen daraus daß Geschlechtsidentität weitgehend angeboren und ein Ergebnis pränataler Hormonausschüttungen und anderer genetischer Einflüsse auf Gehirn und Nervensystem sei. Sie warnten vor einer Geschlechtsneuzuweisung auch bei intersexuellen Kindern. Wegen ihrer Brisanz fand die Studie lange keinen Herausgeber - denn Moneys Theorien waren im medizinischen Establishment anerkannt. Auch eine Langzeitstudie des Kinderurologen Bill Reiner fand wenig Gehör: Reiner hatte lange selbst Genitaloperationen an intersexuellen Kindern vorgenommen und war zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen wie Diamond/Sigmundson. Die auf Moneys Arbeit gegründete klinische Praxis wurde erst erschüttert, als David dem Schriftsteller Colapiuto erlaubte, seine Geschichte an die Offentlichkeit zu bringen.

John Money mußte als Wissenschaftler noch einige Niederlagen einstecken, an seinem Institut in Baltimore hatte er am Ende seiner Laufbahn einen schlechten Stand. Von den Medien wurde er dennoch bis zu seinem Tod (7. Juli 2006 ) hofiert. Er hatte sich den Ruf eines der einflußreichsten Sexualwissenschaftler des 20. Jahrhunderts erworben. Durch Tabubrüche brachte er sich immer wieder ins Gespräch. Mitte der 70er trat er als Befürworter der offenen Ehe, des Nudismus, des bisexuellen Gruppensex und kindlicher Sexualspiele auf. Die New York Times nannte ihn einen „agent provocateur der sexuellen Revolution" (Colapinto, S. 43). In den 80ern setzte er sich öffentlich für die Enttabuisierung u.a. von Sadomasochismus, Pädophilie und Selbststrangulierung ein. Es war bekannt, daß er in Gesprächen mit Patienten gerne anstößige Wörter benutzte, um ihnen die Prüderie auszutreiben. John Colapinto berichtet, daß Moneys Verhältnis zu seiner eigenen Männlichkeit zutiefst gespalten war. Als er acht Jahre alt war, war sein Vater, der ihn brutal mißhandelt hatte, gestorben, und er war aufgewachsen unter Frauen - seiner Mutter und unverheirateten Tanten, die zu männerfeindlichen Ausfällen neigten: „Ich litt unter der Schuld, männlichen Geschlechts zu sein", schrieb er. „Ich trug die Kainsmale der abscheulichen männlichen Sexualität": Penis und Hoden. Im Licht von Moneys späterem Ruhm auf dem Gebiet der Geschlechtsumwandlung von Erwachsenen und Kindern gewinnt seine folgende Bemerkung etwas Verstörendes: „Ich fragte mich, ob die Welt für Frauen nicht ein besserer Ort wäre, wenn man nicht nur die Tiere auf dem Bauernhof, sondern auch Menschen männlichen Geschlechts kastrieren könnte." (Colapinto, S. 41f.)

Zwar hat David Reimers Fall Moneys Theorie auf tragische Weise widerlegt, doch der Einfluß des Forschers reicht noch immer weit. Denn Money hatte den Begriff „Gender" geprägt, um das Selbstgefühl eines Menschen als männlich oder weiblich zu beschreiben. Money also, nicht Judith Butler war damit der Wegbereiter der Gender-Theorie. Heute gilt es in vielen Kreisen noch immer als unhinterfragbare Wahrheit, daß die soziale Geschlechtsrolle (gender) konstruiert sei und daher vom biologischen Geschlecht (Sex) abweichen könne. Davids trauriges Schicksal ließ die Anhänger dieser These kalt. (Ihre Reaktionen auf Davids Tod beschreibt Bettina Röhl.) Auch Beauvoir-Epigonin Alice Schwarzer ließ sich nicht belehren und plädiert noch immer, wie schon in den 70er Jahren in ihrem Buch „Der kleine Unterschied und seine großen Folgen", für die Aufhebung der Geschlechter. Dabei ist, längst erwiesen, daß jene Richtung des Feminismus, die auf der Theorie des kulturell bestimmten Geschlechts beruht, keinerlei wissenschaftlichen Legitimation hat. Immerhin wird heute von vielen Wissenschaftlern ein Umdenken gefordert, z.B. von der Psychologin Susan Pinker, die in ihrem Buch „Das Geschlechter-Paradox" (2008) die neuesten Erkenntnisse über die biologischen und hirnphysiologischen Unterschiede zwischen Männern und Frauen beschreibt. Sie fordert, daß die Verschiedenheit der Geschlechter endlich akzeptiert wird.

David und Brian Reimer waren Opfer eines Wissenschaftlers geworden, der glaubte, die Natur nach seinem Belieben umgestalten zu können. Nach Davids Tod erklärte der Schriftsteller John Colapinto:
„I was shocked, but I cannot say I was surprised. Anyone familiar with David's life - as a baby, after a botched circumcision, he underwent an operation to change him from boy to girl - would have understood that the real mystery was how he managed to stay alive for 38 years, given the physical and mental torments he suffered in childhood and that haunted him the rest of his life. I'd argue that a less courageous person than David would have put an end to things long ago."

David durfte nicht sein, was er war und wozu er geschaffen war. Was in ihm angelegt war, durfte nicht reifen. Sein Schicksal zeigt das ganze Grauen, das entsteht, wenn Menschen glauben, ihre eigene Ordnung an die Stelle der Schöpfungsordnung setzen zu können. „Es ist nicht überholte Metaphysik, wenn die Kirche von der Natur des Menschen als Mann und Frau redet und das Achten dieser Schöpfungsordnung einfordert," betonte der Heilige Vater in seiner Weihnachtsansprache an die Römische Kurie am 22. 12. 2008: „Da geht es in der Tat um den Glauben an den Schöpfer und das Hören auf die Sprache der Schöpfung, die zu mißachten Selbstzerstörung des Menschen und so Zerstörung von Gottes eigenem Werk sein würde. Was in dem Begriff „Gender" vielfach gesagt und gemeint wird, läuft letztlich auf die Selbstemanzipation des Menschen von der Schöpfung und vom Schöpfer hinaus. Der Mensch will sich nur selber machen und sein Eigenes immer nur selbst bestimmen. Aber so lebt er gegen die Wahrheit, lebt gegen den Schöpfergeist. Die Regenwälder verdienen unseren Schutz, ja, aber nicht weniger der Mensch als Geschöpf, dem eine Botschaft eingeschrieben ist, die nicht Gegensatz zu unserer Freiheit, sondern ihre Bedingung bedeutet."

Die Gender-Ideologie: Ist sie nicht Teil der Kultur des Todes, vor der Papst Benedikt XVI. immer wieder warnt?
Für David und Brian Reimer war sie es zweifellos.

Quellen:
- John Colapinto, Der Junge, der als Mädchen auf wuchs, Walter-Verlag 20(10.
- http:// www.npr.org/templates/story/story.php?storyId=1894187
- http://www.cbc.ca/news/background/reimer
- http://www.youtube.com/v/QeSvkE9ZtHk
- http://www.slate.com/id/2101678

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