| Abtreibung
ohne Grenzen?
|
| ZENIT - 31.01.05
Abtreibung ohne Grenzen?
MODESTO, 31. Januar 2005 (ZENIT.org).- Solariengebräunte Teenager gehören im US-Bundesstaat Kalifornien zum vertrauten Bild. Dabei ist es im sogenannten "Golden State" seit kurzem wesentlich leichter, eine Abtreibung durchführen zu lassen als eine Bräunungskur. Nach einem Bericht in der "Modesto Bee" vom 2. Januar 2005 verwehrt ein neues Gesetz Teenagern unter 14 Jahren den Zutritt ins Solarium, ältere Teenager zwischen 14 und 18 Jahren benötigen die Genehmigung der Eltern. Am nächsten Tag, dem 3. Januar, berichtete "LifeNews.com", dass Kaliforniens Generalstaatsanwalt Bill Lockyear einen Gesetzesantrag befürworte, dem zufolge die Eltern nichts davon erfahren sollten, wenn ihre Kids wegen einer Abtreibung in der Schule fehlen. Solche Widersprüchlichkeiten gibt es natürlich nicht nur in den Vereinigten Staaten: Am 7. November 2004 berichtete etwa der Londoner "Daily Telegraph" über einen mittlerweile abgelehnten Antrag des britischen Abgeordneten David Hinchcliffe, der den Eltern per Gesetz verbieten wollte, ihren Kindern 'nachzuspionieren'. Bereits 1990 habe Hinchcliffe eine Gesetzesänderung bekämpft, die eine Reduktion der gesetzlich erlaubten Abtreibungsfrist von 24 auf 18 Wochen vorsah. Unter jenen 75 Abgeordneten, die für ein 'Antischnüffelgesetz' stimmten, hätten sich 14 in der Debatte von 1990 für die Ausweitung der Abtreibungsfrist auf 24 Wochen ausgesprochen, erklärt die Zeitung weiter. Die Mehrheit der 75 Abgeordneten habe auch für Bestimmungen gestimmt, nach denen es legal wäre, ein behindertes ungeborenes Kind bis unmittelbar vor der Geburt zu töten. Eltern werden ausgegrenzt Auch in Großbritannien gibt es Bestimmungen, die Eltern ihr Aufsichtsrecht gegenüber den eigenen Kindern im Falle von Abtreibung regelrecht absprechen. Die "Times" berichtete am 31. Juli 2004 über neue Richtlinien des Gesundheitsministeriums, die es den Ärzten erlauben, Abtreibungen an Jugendlichen unter 16 Jahren vorzunehmen, ohne deren Eltern zu verständigen. Der Artikel nennt konkrete Zahlen: Rund ein Fünftel aller jährlich durchgeführten Abtreibungen in Großbritannien betreffe Teenager, so die eine Statistik. Eine zweite besagt, dass jährlich an die 3.500 Mädchen, die abtreiben ließen, nicht älter als 15 Jahre sind. In den erwähnten Richtlinien werde zwar empfohlen, die Kinder zu ermutigen, ihre Eltern von einer Abtreibung in Kenntnis zu setzen, wörtlich heißt es aber: "Ärzte sind ungeachtet des Alters der Patientinnen zu Umsicht und Diskretion verpflichtet" ("Doctors have a duty of care and a duty of confidentiality regardless of patient age"). Ein weiteres Land, das die elterliche Verantwortung über die eigenen Kinder im Falle von Abtreibung verneint, ist Südafrika. In einer am 31. Mai 2004 veröffentlichten Erklärung übte deshalb die südafrikanische Bischofskonferenz scharfe Kritik an jenem Entscheid des Obersten Gerichtshofs, durch den das "Recht" auf Abtreibung auf Mädchen unter 18 Jahren ausgedehnt worden war. Dieses Urteil erlaubt allen Mädchen, ohne Wissen der Eltern eine Abtreibung vornehmen lassen. "Dieses Urteil wird zur Schwächung des persönlichen Gewissens führen, insbesondere bei jungen Menschen in jener Entwicklungsphase, in der sie besonders darauf angewiesen sind, dass ihr Gewissen in rechter Weise gebildet wird", kritisierten die Bischöfe. Der Preis für die "freie Wahl" Wer Abtreibungserleichterungen für Teenager fordert und fördert, der verschließt die Augen vor den schädlichen Folgen, die sich bewiesenermaßen aus einer Abtreibung ergeben. So behandelt eine kürzlich veröffentlichte, von Erika Bachiochi redigierte Essaysammlung die Auswirkungen von Abtreibung auf die Gesundheit der Frauen. Der Band, der den Titel "The Cost of 'Choice': Women Evaluate the Impact of Abortion" ("Was die 'Wahl‘ kostet: Frauen beurteilen die Auswirkungen von Abtreibung") trägt, enthält unter anderem einen Essay von Elizabeth Shadigian. Sie ist außerordentliche Professorin für Geburtshilfe und Gynäkologie an der Universität von Michigan und erklärt, dass die folgenschweren langfristigen Auswirkungen der Abtreibung von der Ärzteschaft bisher wenig beachtet worden seien. Selbst wenn die negativen Auswirkungen auf die Gesundheit der Frau nur gering wären, spielten sie doch eine große Rolle angesichts der Tatsache, dass ungefähr 25 Prozent aller Schwangerschaften in den Vereinigten Staaten durch eine Abtreibung beendet werden, schreibt Shadigian. In der Folge listet sie einige solcher Auswirkungen auf: -- Die medizinische Literatur zeige, dass eine ausgetragene Schwangerschaft in jungen Jahren das Risiko von Brustkrebs reduziert. Zudem belegten einige Studien, dass eine Abtreibung – isoliert betrachtet – das Risiko von Brustkrebs erhöhen kann. Dieses Problem der Abtreibung als unabhängiger Risikofaktor werde von manchen zwar bestritten, eine signifikante Anzahl von Studien deute jedoch auf einen Zusammenhang hin.Angela Lanfranchi, Assistentin an der Chirurgischen Abteilung der Robert Holz Johnson Medical School untersucht in ihrem Beitrag die viel diskutierte Frage einer Beziehung zwischen Abtreibung und Brustkrebs. Sie weist auf eine Studie hin, die das Ärztejournal "Lancet" im März 2004 veröffentlichte. Diese Studie sei damals mit Beifall begrüßt worden, weil sie die Versuche, einen Kausalzusammenhang zwischen den zwei Phänomenen herzustellen, vollständig zu widerlegen schien. Lanfranchi ist jedoch der Ansicht, dieses Ergebnis sei einfach dadurch zustande gekommen, dass man eine große Anzahl von Studien nicht berücksichtigt hat. Und zwar jene Studien, die zu dem Ergebnis kämen, dass Abtreibung tatsächlich entscheidend für die in den letzten Jahren signifikante Zunahme an Brustkrebs bei Frauen ist. In der Tat deuteten 29 von 41 Studien zu diesem Thema auf einen Zusammenhang zwischen Abtreibung und Brustkrebs hin. "Rund um die Abtreibung" werde "Einschüchterungspolitik betrieben", schreibt Lanfranchi. Es werde vielen Menschen schwer gemacht, zuzugeben, dass Risiken im Spiel sind. Die Autorin erzählt von einer Professorin an einem Bostoner Krebsinstitut, die ihr gegenüber persönlich zugegeben habe, dass Abtreibung ein Risikofaktor für Krebs ist, dass sie dies aber, aus Angst, ihre Arbeit zu verlieren, nicht in der Öffentlichkeit zur Sprache bringen würde. Einer ihrer Kollegen habe seine Anstellung an einer medizinischen Hochschule in New York verloren, weil er eine Studie unterstützte, die den Kausalzusammenhang zwischen Abtreibung und Brustkrebs bestätigte. Psychische Nachwirkungen E. Joanne Angelo ist Psychiaterin und unterhält seit 28 Jahren eine Privatpraxis in Boston. In ihrem Essay untersucht sie die psychologischen Folgen für Frauen, die sich einer Abtreibung unterzogen haben. In der Einleitung berichtet sie von den vielen Frauen, die sie mit ihrem Kummer und Schmerz über den Verlust ihrer Babys durch Abtreibung aufgesucht haben. Medizinische Lehrbücher, schreibt Frau Angelo, wiesen deutlich darauf hin, dass Frauen, die eine Fehlgeburt hatten, an einer Mischung aus Enttäuschung, Schuldgefühlen und Schmerz leiden, obwohl sie für den Tod ihres Kindes nicht verantwortlich sind. Nach einer Abtreibung würden viele Frauen die gleichen Gefühle erleben, allerdings "mit noch größerer Intensität und über einen größeren Zeitraum", so die Psychiaterin. Sie weist darauf hin, dass man Mütter, die eine Fehlgeburt hatten, normalerweise tröste. Von Frauen aber, die abgetrieben haben, erwarte man, dass sie ihr Leben einfach weiterleben würden – als wäre nichts geschehen. Es komme auch ziemlich häufig vor, dass eine Frau abtreibt, um eine Beziehung aufrechtzuerhalten. Aber hinterher, schreibt die Autorin, könnten es "nur wenige Frauen ertragen, weiterhin mit diesen Männern zusammen zu leben, für die sie diese Handlung begangen haben". Allmählich, so die Autorin, kämen die ersten medizinischen Studien heraus, die sich mit den psychischen Nachwirkungen der Abtreibung befassen. Die ersten Ergebnisse würden auf eine Zunahme von Selbstmorden und auf eine höhere Rate psychischer Erkrankungen hindeuten. Abschließend schreibt Frau Angelo: "Drei Jahrzehnte der 'Abtreibung auf Verlangen' haben in den Herzen der Frauen ein Meer von Leid geschaffen. Dieses Leid wird oft mit großem inneren Kraftaufwand überspielt." Hinterhof-Kliniken Die traurigen Zustände in vielen Abtreibungskliniken kommen in dem Essay von Denise Burke, Rechtsanwältin für die Mitarbeiter der Organisation "Americans United for Life" zur Sprache. In den sechziger und siebziger Jahren hätten die Befürworter der Abtreibungslegalisierung die Überzeugung vertreten, Abtreibung sei aus der Illegalität herauszuholen und den angeblich Tausenden von Todesfällen durch Kurpfuscher und 'Engelmacherinnen‘ müsse endlich ein Ende gemacht werden. In den darauffolgenden dreißig Jahren, so Burke, habe die Legalisierung von Abtreibung weder zur Abschaffung minderwertiger medizinischer Versorgung oder unhygienische Praktiken geführt, noch sei den Abtreibungen von 'unqualifizierten' Menschen ein Ende bereitet worden. Die Abtreibungsindustrie sei vor allem an den Profiten interessiert, nicht an der Sicherheit für die Frauen. In vielen Fällen würden die in Parlamenten unternommenen Versuche, den Abtreibungskliniken Gesundheitsgesetze aufzuerlegen, durch die von den Kliniken beauftragten Rechtsanwälte verhindert. Und selbst wenn Gesetze zustande kämen, würden sie von Abtreibungsärzten und Interessengruppen, die für die Abtreibung eintreten, vor Gericht angefochten. Dies führe häufig dazu, dass sie wieder abgeschafft würden. In Deutschland hat der Kölner
Erzbischof Kardinal Joachim Meisner in seiner Predigt zum Dreikönigstag
davon gesprochen, dass der Mensch nicht Herr über das Leben ist. Wo
der Mensch sich nicht relativieren oder eingrenzen lasse, so Meisner, dort
verfehle er sich immer am Leben: Abtreibung zählte er zu den "Folgen
dieses anmaßenden Aufbegehrens gegenüber Gott".
|