Bevölkerungswissenschaftler: Deutschland hat sich aufgegeben     
24.09.05

Bevölkerungswissenschaftler: Deutschland hat sich aufgegeben
Niedrige Geburtenrate und Überalterung führen in die Katastrophe.
Von der Förderung gleichgeschlechtlicher Lebensformen habe die Gesellschaft nichts.

Berlin (www.kath.net / idea) Die Bevölkerungskatastrophe in Deutschland ist nicht mehr aufzuhalten. Das erklärte der emeritierte Professor für Demographie, Herwig Birg (Bielefeld), am 22. September auf einer gemeinsamen Tagung der „Christdemokraten für das Leben„ (CDL) und der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin.

Seit Jahrzehnten sei nichts gegen die Überalterung unternommen worden. Obwohl immer weniger Kinder geboren würden, träten nur „Splittergruppen„ für die Familie als ideale Lebensform ein. Wichtigste Aufgabe der Politik müsse die Rückkehr zu einer bestandserhaltenden Geburtenrate sein, so Birg.

Dazu sei ein Bewusstseinswandel nötig. Selbst wenn sich dieser einstelle, werde sich in der Lebenszeit der heutigen Bürger nichts mehr ändern. Die Bevölkerungsentwicklung verändere sich nur langfristig. Birg: „Das heutige Deutschland hat sich bevölkerungspolitisch aufgegeben.„

Viele fühlen sich zu jung für Kinder

Der stellvertretende Leiter des Instituts für Demoskopie Allensbach, Wilhelm Haumann, verwies auf Umfragen, wonach der Zeitraum zum Kinderkriegen für die Deutschen immer kürzer wird. 86 Prozent der 18- bis 23jährigen und 48 Prozent der 24- bis 29jährigen hielten sich für zu jung für Nachwuchs.

Früher hätten viele Deutsche in diesem Alter mehrere Kinder gehabt. 47 Prozent der unter 30jährigen verzichteten aus finanziellen Gründen auf Kinder. Auch das Fehlen eines geeigneten Partners oder einer stabilen Beziehung seien Gründe für die Kinderlosigkeit.

Wirtschaftswissenschaftler warnt vor irrigen Annahmen

Der französische Wirtschaftswissenschaftler Jacques Bichot (Lyon) warnte vor der Annahme, daß die Überalterung zu mehr freien Arbeitsplätzen und einem geringeren Rohölverbrauch führe. „Eine Vollbeschäftigung ist nicht durch weniger Arbeitskräfte erreichbar, sondern nur durch mehr wirtschaftliche Dynamik„, so Bichot. Diese sei an das Bevölkerungswachstum gekoppelt.

Ein Familienwahlrecht forderte der Osnabrücker Sozialwissenschaftler Prof. Manfred Spieker. „Jedes Land muss ein vitales Interesse daran haben, Lebensformen zu fördern, die für die Gesellschaft notwendig sind.„ Dazu zählten in erster Linie Familien. Hingegen sei eine Förderung gleichgeschlechtlicher Lebensformen sinnlos. Spieker: „Von diesen Beziehungen hat die Gesellschaft nichts.„

23. September 2005, 11:41 
Artikel auf http://www.kath.net/detail.php?id=11549