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Menschen gegen sich selbst verteidigen
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| 14.07.05 "Das Lehramt der Kirche muss den Menschen gegen sich selbst verteidigen" Lebensschutz: Ein Symposium zur Bioethik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt DT vom 14.07.2005 "Die bedeutungsvollsten und intimsten Momente im Leben des Menschen - nämlich der Moment der Empfängnis und des Todes - wurden traditionell den Blicken ungebetener Außenstehender ferngehalten. In den letzten Jahren wurden diese unbeschreiblich intimen und maßgebenden Momente jedoch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und dem Einfluss anderer unterworfen." Mit dieser Feststellung begann der Direktor des "National Catholic Bioethics Center" aus Philadelphia, John Haas, seinen Vortrag an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Eingehend stellte Haas die Instruktion "Donum vitae" von 1987 vor. In dem Dokument wird jedes Mittel als unerlaubt zurückgewiesen, das den ehelichen Geschlechtsverkehr ersetzt. "Das menschliche Leben muss ein Geschenk der Liebe sein, das aus dem persönlichen Handeln der Eheleute hervorgeht", so Haas. Heute werde Liebe jedoch vielfach durch Macht ersetzt. Doch nicht der Mensch schafft dieses Leben, sondern "Gott allein erzeugt ein Menschenleben als sein Abbild und Gleichnis in dieser Welt". Von diesem Gedanken weit entfernt, ist in den vergangenen Jahren eine biotechnische Industrie entstanden. Der Vergleich zu ökonomischen Denkweisen ist naheliegend. Grundsätze der Marktwirtschaft überschatten das Gesundheitswesen bis zur "Planung" der Nachkommenschaft: Effektivität, Produktivität, Qualitätskontrolle und Gewinn werden zu gängigen Begriffen im Bereich der "reproduktiven Techniken". Haas wies darauf hin, dass derzeit nahezu eine halbe Million menschlicher Embryonen in den Vereinigten Staaten eingefroren lagern. Als ethischen Grundsatz gab der Direktor zu bedenken, dass die moderne Gesellschaft entschlossen sein muss, "niemals Böses zu tun, auch wenn Gutes daraus erwachsen sollte". Anerkennend hob Haas das große Interesse des jetzigen Papstes Benedikt XVI. am National Catholic Bioethics Center hervor, der auf einer Tagung des Instituts 1991 sagte: "Das Lehramt der Kirche muss den Menschen gegen sich selbst verteidigen, um seine Vernichtung zu vermeiden, auch wenn das bedeutet, gegen die Philosophie einer ganzen Epoche zu streiten." In einem weiteren Referat ging Professor Tadeusz Pacholczyk, der ebenfalls am National Catholic Bioethics Center in Philadelphia tätig ist, auf die speziellen Fragen der Stammzellenforschung und der Klontechniken ein. Für dieses Thema war Pacholczyk bestens vorbereitet. Er ist promovierter Neurobiologe, der längere Zeit in der Praxis gearbeitet hat, bevor er sich entschloss, Priester zu werden. In anschaulicher Art und Weise verdeutlichte Pacholczyk, dass die zwei "Typen" des menschlichen Klonens - reproduktives und "therapeutisches" Klonen - die gleiche Art des Klonens darstellen. Bei beiden Verfahren wird eine entkernte menschliche Eizelle mit dem Zellkern einer Körperzelle verschmolzen, die sich unter "günstigen" Bedingungen zu einem Embryo entwickeln kann. Während beim "therapeutischen" Klonen die Ausdifferenzierung der pluripotenten Zellen (Stammzellen) - die dem Embryo entnommen werden - in bestimmte Gewebearten angestrebt wird, soll beim reproduktiven Klonen die Entwicklung des Embryos voranschreiten. Beide Verfahren seien - so Pacholczyk - moralisch in jeder Hinsicht zu verwerfen, da die entstandenen Embryonen dabei immer getötet werden oder nach kurzer Zeit von selbst absterben. Das bioethische Symposium wurde abgerundet durch ein Referat des Eichstätter Moraltheologen Professor Stephan E. Müller über "Vom Sinn der Sucht". Anhand von vier Punkten charakterisierte Müller die Sucht. Erstens wird der Mensch sich selbst zum Gegner und verweigert sein Selbstsein. Er erlebt zweitens ein Sinnvakuum, das ihn drittens dazu führt, eine Kompensation vorzunehmen. Schließlich nimmt der Süchtige eine Verabsolutierung des Sichtbaren vor. Für Müller steht eindeutig fest, dass die Suchtentwicklung als ein deutliches Zeichen für die Erlösungsbedürftigkeit des Menschen anzusehen ist. In einem zweiten Schritt entfaltete Müller anthropologische Grundgedanken, indem er der Frage nachging, was dem Menschen Halt gebe. Hierzu ging der Moraltheologe ausführlich auf die Begriffe Gewissen und Gemüt ein. Während das Gewissen der Garant sein solle, dass der Mensch seine Unabhängigkeit wahrt ("relative Autonomie"), ist das Gemüt zur Wahrung des Gleichgewichts zwischen Selbst- und Mitgefühl notwendig. In der Pädagogik und Psychologie können zahlreiche Belege dafür gefunden werden, dass in der intakten Familie das Gewissen und das Gemüt heranreifen können. In der Familie wird der Einzelne als Person angesehen und geachtet und dies in einer Weise, die Kategorien des Profits fernsteht. Veranstalter des bioethischen Symposiums war der Lehrstuhl für Moraltheologie der Theologischen Fakultät in Eichstätt und das "National Catholic Bioethics Center", Philadelphia. Ausdrücklich betonten die Referenten, dass sich aus dieser ersten Veranstaltung eines bioethischen Symposiums eine weitere Zusammenarbeit ergeben würde. In den Vereinigten Staaten besteht das "National Catholic Bioethics Center" seit 1972. Es wäre an der Zeit, dass auch hierzulande ein vergleichbares Institut ins Leben gerufen würde, das sich der Lehre der katholischen Kirche zugehörig fühlt. von Clemens Breuer |