"Abtreibung ist Tötung!"- Dank an Kardinal Meisner

10.01.05 

CDL-Bundesvorsitzende: "Dank an Kardinal Meisner"

Klarstellung zu Meisners Dreikönigstag-Predigt



Dank an Kardinal Meisner
Meschede - 10. Januar 2005 - Zu der öffentlichen Diskussion um die Dreikönigs-Predigt Kardinal Meisners bezieht die CDL-Bundesvorsitzende Mechthild Löhr Stellung:

"Wie nur wenige prominente Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens läßt sich Kardinal Meisner nicht von der "Schweigemauer" entmutigen, die sich seit etlichen Jahren gegenüber dem Unrecht der Abtreibung gebildet hat. Dabei liegen klare Fakten zum Ausmaß der Tötung durch Abtreibung vor: Von rund 50 Millionen Abtreibungen weltweit jährlich berichten UNO und Weltgesundheitsorganisation (WHO), in Deutschland wurden seit 1975 in öffentlichen Statistiken rund 4,2 Millionen Abtreibungen erfaßt, obwohl die Dunkelziffer noch wesentlich höher liegt. 

Wenn also Kardinal Meisner den Mut hat, immer wieder auf Unrecht aufmerksam zu machen, das nicht nur früher geschehen ist, sondern das heute tagtäglich tausendfach geschieht, findet das den großen Respekt und Dank der Christdemokraten für das Leben (CDL) und vieler anderer Bürger, die sich nicht gleichgültig mit der massenweisen Tötung Ungeborener auch in unserem Land abfinden. Dies anzuklagen diskriminiert nichts und niemanden, sondern stellt einfach die Tatsache heraus, daß sowohl im Strafgesetzbuch (z.B. § 218 StGB) wie in den Zehn Geboten prinzipiell festgehalten wird: Du sollst nicht töten! 

Wer wo und unter welchen Begründungen getötet wird, relativiert letztendlich nicht das Übel jeder einzelnen Tötung, die beim Namen genannt werden muß. Und genau dies tut Kardinal Meisner dankenswerterweise stets unerschrocken.

Erst vor wenigen Wochen, am 10.12. 2004, trat der international bekannte Philosoph Peter Singer beim Kulturinstitut DAI in Heidelberg öffentlich auf, der sich für das Tötungsrecht an Neugeborenen bis zum 28. Tag nach der Geburt sowie für die Tötung Behinderter explizit bereits am 25.11. 2001 im "SPIEGEL" ausgesprochen hat. Wo blieb da die öffentliche Empörung? Im Gegenteil: prominente Tagungsteilnehmer wie der frühere Kulturstaatsminister Nida-Rümelin, Kanzlerberater Prof. Reinhard Merkel und andere sahen darin angabegemäß interessante Aspekte in einem offen zu führenden Diskurs, denn die "Zuschreibung" von Menschenwürde und Lebensschutz seien schließlich Definitionssache.

Wenn jetzt eine Welle der Empörung gegenüber dem Kardinal und seinen Äußerungen entstanden ist, wäre es nicht wünschenswerter, daß sich diese Empörung gegen das Ausmaß der Abtreibungen richtete? Wo sich Menschen zum Herren über Leben und Tod machen wollen, ist gerade das Zeugnis der Kirchen offensichtlich mehr denn je gefordert.

Glaubwürdiges Zeugnis für das Leben und gegen die Tötung menschlichen Lebens werden nur diejenigen ablegen können, die sich generell für den Lebensschutz und gegen die Tötung gleich welchen menschlichen Lebens einsetzen. Forderungen nach einem selektiven Lebensschutz dürfen keine Chance haben!"

CDL ist eine Lebensrechtsinitiative innerhalb der CDU/CSU und Mitglied im Bundesverband Lebensrecht (BVL).



Zenit - 10.01.05 

Klarstellung zu Meisners Dreikönigstag-Predigt
Der Mensch ist nicht Herr über das Leben 

KÖLN, 10. Januar 2005 (ZENIT.org).- "Wenn ich geahnt hätte, dass mein Verweis auf Hitler missverstanden hätte werden können, hätte ich seine Erwähnung unterlassen. Es tut mir leid, dass es dazu gekommen ist. In der Dokumentation meiner Predigt werde ich darum auch den Hinweis auf Hitler tilgen lassen, denn damit bleibt die Aussageabsicht des Textes ganz erhalten: Wo der Mensch sich selbst zu Gott macht, dort verfehlt er sich am Leben." Mit diesen Worten entschuldigte sich der in den vergangenen Tagen kritisierte Joachim Kardinal Meisner, Erzbischof von Köln, am 7. Januar bei all jenen, die sich durch seine Predigt vom Dreikönigstag (siehe unten) verletzt gefühlt haben. 

In besagter Predigt, so die Kritiker, habe der Kardinal die Abtreibungspraxis mit den Verbrechen der Nationalsozialisten verglichen. Paul Spiegel, Präsident des Zentralrates der Juden, bezeichnete die Äußerungen des Kardinals als unsäglich und beleidigend. Auch die Grünen und die nordrhein-westfälische FDP hatten den Kardinal scharf kritisiert. 

Das Presseamt der Erzdiözese Köln erklärte daraufhin in einer Stellungnahme: "Am 7. Januar titelte der SPIEGEL: 'Kardinal Meisner vergleicht Abtreibungen mit Hitlers Verbrechen'. Bezeichnend für die Interessenlage des SPIEGEL: Der Wortlaut der Predigt Kardinals Meisners vom 6. Januar wurde so verkürzt zitiert, dass der Eindruck entstehen konnte, dem Kardinal ginge es allein um einen Vergleich von kriminellen Taten. In Wirklichkeit hatte Kardinal Meisner an wenigen Beispielen deutlich gemacht: Wo sich Menschen zum Herrn über das Leben machen, verlieren andere das Leben. Das aus dem Zusammenhang gerissene Zitat steht aber in einem Zusammenhang. 

Gesagt hat der Erzbischof von Köln: 'Mein Leben, mein Herz, mein Leib gehört nicht mir. Es ist sein [= Gottes] Eigentum. Ich kann über mein eigenes Leben und über das Leben anderer nicht verfügen. Ich kann es immer nur dankend empfangen. Es ist bezeichnend: Wo der Mensch sich nicht relativieren oder eingrenzen lässt, dort verfehlt er sich immer am Leben: zuerst Herodes, der die Kinder von Bethlehem umbringen lässt, dann unter anderem Hitler und Stalin, die Millionen Menschen vernichten ließen, und heute, in unserer Zeit, werden ungeborene Kinder millionenfach umgebracht. Abtreibung und Euthanasie heißen die Folgen dieses anmaßenden Aufbegehrens gegenüber Gott. Das sind nicht soziale Probleme, sondern theologische. Hier kommt das erste Gebot ins Spiel: 'Du sollst keine fremden Götter neben mir haben'' [unterstrichen ist die vom SPIEGEL zitierte Textpassage]. 

Mit keinem Wort habe der Kardinal "die Einzigartigkeit des Genozids an den Juden unter Hitler relativiert", betonte das Presseamt. "Der Vergleich von Heute mit den Zeiten unter Herodes, Hitler und Stalin bezieht sich allein darauf, dass Verfehlungen am menschlichen Leben geschehen sind, die sich darauf zurückführen lassen, dass sich Menschen zum Herrn über das Leben machen. Heute besteht fast kollektiv die Annahme, der Mensch könne vor allem über das Lebensrecht ungeborener Kinder entscheiden", so die Pressestelle. 

Auch das Forum Deutscher Katholiken e.V. verteidigte Kardinal Meisner. In einer öffentlichen Erklärung betonte dessen Vorsitzender Prof. Dr. Hubert Gindert, dass "die Diffamierung Kardinal Meisners durch den Spiegel mit Entschiedenheit zurückgewiesen werden" müsse. Der Kardinal verharmlose oder mindere "in keiner Weise die Verbrechen der Nationalsozialisten an den Juden. Er bringt vielmehr das millionenfache Unrecht der Ermordung von Menschen nachdrücklich ins Bewusstsein. Denn die ungeborenen Kinder unserer Zeit können ebenso wenig ihre Rechte einfordern, wie die wehrlosen Juden unter der NS-Diktatur. 

Wenn eine spätere Generation über die massenhafte Tötung ungeborener Kinder ihr Urteil sprechen wird und fragt, ob die Kirche dazu geschwiegen hat, werden die Christen dankbar auf Persönlichkeiten wie Kardinal Meisner hinweisen. Das 'Forum Deutscher Katholiken' dankt Kardinal Meisner schon heute für seinen Mut!", heißt es in der Erklärung. 
ZG05011008