kinderlos - Europa in der demographischen Falle 

02.02.05
 
Stephan Baier
kinderlos - Europa in der demographischen Falle
MM-Verlag, Aachen, 2004, 267 Seiten
ISBN 3-928272-16-o
18 EUR 


 

Aufwachen, endlich aufwachen!
Anleitung zum radikalen Umdenken: "kinderlos - Europa in der demographischen Falle", das bislang mutigste Buch zum Thema Demographie 
ein Beitrag von Markus Reder aus:
Die Tagespost 
Katholische Zeitung für Politik, Gesellschaft und Kultur 
Artikel vom 11. Dezember 2004 

Aufwachen, endlich aufwachen!
Anleitung zum radikalen Umdenken: "kinderlos - Europa in der demographischen Falle", das bislang mutigste Buch zum Thema Demographie 
Von Markus Reder 

Es gibt Bücher, die sind lebenswichtig. Dieses ist eines davon: "kinderlos - Europa in der demographischen Falle". Geschrieben hat es Stephan Baier, Lesern dieser Zeitung seit Jahren als kundiger Europakorrespondent und scharfsinniger Kommentator des Zeitgeschehens bekannt. Auch als Sachbuchautor hat sich Baier einen Namen gemacht. "kinderlos - Europa in der demographischen Falle", sein aktuelles Buch, ist soeben erschienen. 

Baier ist nicht der erste, dem das laute Ticken der demographischen Zeitbombe keine Ruhe lässt. Frank Schirrmachers "Methusalem-Komplott" hat wie ein Bewusstseinsschub gewirkt. Die Öffentlichkeit ist hellhörig geworden. Plötzlich geht es nicht mehr um demographische Zahlenspiele und Bevölkerungspyramidik. Die Katastrophe gewinnt reale Züge. Sie rollt auf uns zu. Unaufhaltsam, gewaltig. Sozialsysteme bersten und am Horizont erscheinen die Vorzeichen eines heraufziehenden "Kriegs der Generationen" (Schirrmacher). Die Lage ist ernst. Allmählich erhebt selbst die Politik ihr müdes Haupt. Was tun? Ja, wir stecken in der Falle. Dessen sind sich die meisten inzwischen bewusst. 

Mut, auch die toten Winkel der Debatte auszuleuchten 

Was der Diskussion bislang fehlt, ist der Mut zu schonungsloser Analyse und letzter Konsequenz. Es fehlt der Mut, das Thema Demographie in jenen großen Zusammenhang zu stellen, der auch die toten Winkel der Debatte ausleuchtet. Genau das leistet dieses Buch. Baier schaut gezielt da hin, wo andere die Augen schließen. Er lässt sich nicht beeindrucken von fletschenden Kettenhunden der Political Correctness. Den Türstehern der Tabutempel dreht er ungeniert die Nase. Baier dringt vor in die schwer bewachten Räume des Schweigens. Wo Feuilletons und Podiumsdiskussionen ihre Demographie-Diskurse beenden, geht Baier einen entscheidenden Schritt weiter.

Er thematisiert den Skandal der Abtreibungen. Jedes Jahr rund 50 Millionen Abtreibungen weltweit, davon 17 Prozent in Europa. Allein in Deutschland werden "Tag für Tag rund 30 Schulklassen abgetrieben - einschließlich Samstag und Sonntag", schreibt Baier. Die Subventionierung dieser Abtreibungspolitik kostet den deutschen Steuerzahler mehr als 40 Millionen jährlich. "Die abgetriebenen Kinder fehlen uns heute." 

Baier setzt sich mit den Folgen von Pränatal- (PND) und Präimplantationsdiagnostik (PID) auseinander und warnt vor den Gefahren von vorgeburtlicher Selektion und Behindertenfeindlichkeit. Er zeigt, wie eine "wohlstandsverwöhnte und zugleich immer rapider vergreisende Gesellschaft" mit brutaler Konsequenz zu einer Zivilisation der Euthanasie verkommt. Baier macht deutlich, wie die demographische Entwicklung der Islamisierung Europas in die Hände spielt und erklärt, warum Zuwanderung keinen Ausweg aus der demographischen Falle bedeutet. Er deckt die Lebenslügen von Homo-Lobby und Gender-Ideologen auf, entlarvt die Mythen der Patchwork-Generation und warnt vor gefährlichen Vereinfachungen, wenn es um die Zukunft der Familie geht. 

Mentale Senilität und ideologische Verblendung 

Präzise fügt der Autor die losen Enden der verschiedensten Debatten zusammen und entwirft das Gesamtbild einer Gesellschaft, deren mentale Senilität und ideologische Verblendung die Ursachen für Kinderlosigkeit und demographischen Abstieg sind. Wie Mühlsteine zerreiben demographischer Trend und Selbstverwirklichungsdruck die Humanität einer Gesellschaft, in der das Kind zum verhütbaren Armutsrisiko geworden ist. 

Baier belegt eindrucksvoll, dass die demographische Krise alle Bereiche unseres Gemeinwesen erfasst und keineswegs nur ein Problem des Sozialstaates ist. Er weist nach, dass sämtliche Weiter-so-Strategien absurd und gefährlich sind. Bei aller Deutlichkeit in der Sache wird er nie plump, nie verletzend. Argumentieren, nicht polemisieren: Das ist die Stärke dieses Buches. Der Autor stützt sich vor allem auf Fakten. Daneben lässt Baier auch persönliche Erfahrungen und Eindrücke einfließen und bewahrt sich obendrein ein humorvolles Augenzwinkern. Nicht zuletzt deshalb ist dieses Buch bei allem Ernst der Thematik ein echtes Lesevergnügen. Man muss nicht Christ sein, um Baiers Argumentation zu folgen. Der gesunden Menschenverstand reicht völlig aus. Nur wenn Politik und Gesellschaft die Familie ganz in das Zentrum all ihrer Bemühungen stellen, kann die Katastrophe noch verhindert werden, ist der Vater von fünf Kindern überzeugt. Dazu aber bedarf es einer radikalen Wende: Nur eine mutige Politik, die es jungen Menschen ermöglicht, ihren Kinderwunsch ohne finanzielle und berufliche Nachteile zu realisieren, kann das Überleben Europas garantieren, schlussfolgert Baier. Dabei belässt er es nicht bei Forderungen, sondern zeigt an konkreten Beispielen, was machbar und möglich ist. Ohne den Schadstoffausstoß der Selbstverwirklichungsindustrie zu stoppen und ohne Bekenntnis zur persönlichen Verantwortung, kann Europa seiner fortschreitenden Barbarisierung nicht entkommen, hebt Baier hervor. 

"kinderlos" ist das mit Abstand mutigste Buch, das zum Thema Demographie bislang erschienen ist. Es besticht durch präzise Analyse der Situation, Detailfülle und fundiertes Zahlenmaterial. Kenntnisreich leuchtet Baier die demographische Krise Europas aus. Seine konsequent europäische Perspektive berücksichtigt die globalen Entwicklungen ebenso wie nationale Besonderheiten. 

Wer jetzt nicht handelt, verspielt die allerletzte Chance 

Wer Faktenwissen sucht, wird in diesem Buch genauso fündig wie jene, die nach Wegen aus dem Dilemma fragen. Wer "kinderlos" gelesen hat, weiß, dass es noch eine letzte Chance gibt, die Katastrophe abzuwenden. Sie zu nutzen, verlangt den Mut und die Entschlossenheit, die dieses Buch auszeichnet. Man wünscht es jedem Politiker unter den Christbaum. Ach was Politiker: Jedem, der Lust auf Zukunft hat, sei es wärmstens empfohlen. 

Stephan Baier: kinderlos - Europa in der demographischen Falle, MM-Verlag, Aachen, 2004, 267 Seiten, ISBN 3-928272-16-o, 18 EUR 

Die Tagespost 
Katholische Zeitung für Politik, Gesellschaft und Kultur 
Artikel vom 11. Dezember 2004