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Demokratie vs. Relativismus: Warum der radikale Säkularismus eine Bedrohung für unsere Gesellschaft darstellt
"Von Erzbischof Charles J. Chaput, Denver
Zwei der größten Unwahrheiten in der Welt von heute sind die
Behauptungen, dass das Christentum von geringer Bedeutung für die
Entwicklung des Westens gewesen sei und dass die westlichen Werte
und Institutionen ohne eine Verankerung in den christlich
moralischen Grundsätzen aufrechterhalten werden könnten.
Die westlich zivilisierte Welt kann nicht losgelöst von ihrem
zweitausendjährigen christlichen Kontext verstanden werden, in
welchem sie sich entwickelt hat. Ein Volk, das seine Geschichte
nicht kennt, kennt sich selbst nicht. Menschen, die vergessen wer
sie sind, können leicht manipuliert werden. Unsere Gesellschaften
sind von Geburt her christlich, und ihr Überleben hängt vom
weiteren Bestand christlicher Werte ab. Unsere Hauptprinzipien und
politischen Institutionen basieren in großem Maß auf der Moral des
Evangeliums, der christlichen Sicht des Menschen, des Staates und
der Würde der menschlichen Person. Entfernt man Christus, so
entfernt man die einzig vertrauenswürdige Grundlage unserer Werte,
Institutionen und Lebensweise. In der Welt von heute werden die
Geschichte der Kirche und das Erbe der “westlichen” Gesellschaft
verdrängt. Die Gleichgültigkeit gegenüber unserer christlichen
Vergangenheit aber trägt nicht zur Verteidigung unserer Werte und
Institutionen in der Gegenwart bei.
Der Relativismus ist zur Zivilreligion und allgemein verbreiteten
Philosophie des Westens geworden. Angesichts des Pluralismus der
modernen Welt neigt unsere Gesellschaft dazu, zu behaupten, dass
niemand als Einzelner oder Gruppe ein Monopol an der Wahrheit
besäße und alle Kulturen und Religionen als gleichberechtigt und
gleich gültig respektiert werden sollten.
In der Praxis sehen wir jedoch, dass unsere politischen
Institutionen und Sprache ohne das Vertrauen in feste moralische
Grundsätze und eine transzendente Wahrheit zu einem Instrument im
Dienste einer neuen Barbarei werden. Im Namen der Toleranz
tolerieren wir die schlimmste Intoleranz. Der Respekt für andere
Kulturen führt oft zur Herabwürdigung unserer eigenen Kultur. Die
Vorstellung von “Leben und leben lassen” dient als Rechtfertigung
der Starken auf Kosten der Schwachen zu leben. Abtreibung,
Kindstötung und Euthanasie, Embryonenforschung und eugenische
Versuchungen zielen auf die Beseitigung der Armen ab, der
Behinderten und der schwachen älteren Menschen. Ohne ein Fundament
in Gott oder eine höhere Wahrheit können unsere demokratischen
Institutionen sehr leicht zu Waffen gegen die Schwachen und unsere
eigene menschliche Würde werden. Die Menschenrechte kommen von Gott
und der Staat sollte existieren, um die Rechte des Menschen zu
schützen und sein Gedeihen zu befördern, aber er kann niemals die
Quelle solcher Rechte sein. Maßt sich der Staat für sich selbst
eine solche Gewalt an, kann sogar selbst eine Demokratie totalitär
werden, nämlich dann, wenn der Wille der Mächtigen und Starken sich
das Gesetz so zurechtlegt, dass damit die Schwachen zu beseitigt
werden.
Die christlichen Überzeugungen, die den säkularen Westen im
höchsten Maße irritieren, sind jene, welche die Abtreibung, die
Sexualität und die Ehe zwischen Mann und Frau betreffen. Diese
Überzeugungen bringen die Wahrheit über den Sinn menschlicher
Fruchtbarkeit, seines Daseins und seiner Bestimmung zum Ausdruck.
Diese Wahrheiten muten rebellisch an in einer Welt, die uns glauben
machen möchte, dass Gott unnötig sei und das menschliche Leben
keinen ihm innewohnenden höheren Sinn besäße. Das ist die Kultur
des Todes. Von daher versteht sich, warum die Kirche bekämpft und
bestraft werden muss, eben weil sie sich für das umfassende Leben
einsetzt. Deshalb wird sie aber auch als widerspenstigste und
gefährlichste Häretikerin der neuen Weltordnungspolitik angesehen.
Die Kirche ist dazu aufgerufen, eine Glaubensgemeinschaft des
Widerstandes zu sein. Wir müssen die Dinge bei ihrem wahren Namen
nennen. Wir müssen die Missstände bekämpfen, die wir sehen. Wir
müssen das wirklich glauben, von dem wir behaupten, dass wir es
glauben. Dann müssen wir dieses mit dem Zeugnis unseres eigenen
Lebens bezeugen. Überzeugt von der Wahrheit des Glaubens, sollten
wir Feuer und Flamme sein, nach diesen Wahrheiten zu leben, diese
Wahrheiten zu verteidigen, auch bis hin zu dem Punkt, wo wir selbst
Ausgrenzung erfahren und leiden müssen. Die Lektion des
20.Jahrhunderts besteht darin, dass es keine billig verdiente Gnade
gibt. Dieser Gott, an den wir glauben, liebte die Welt so sehr,
dass er seinen einzigen Sohn sandte, um für diese zu leiden und zu
sterben. So fordert er uns heraus, ebenso mutig und opferbereit zu
leben, wie uns das von Jesus Christus gezeigt worden ist.
Freie Menschen, wie es Christen in der Tat sind, können nicht frei
bleiben ohne religiösen Glauben und die Tugenden, die diesen
stützen. Trennung zwischen Kirche und Staat heißt nicht, das
öffentliche Leben auf radikale Weise zu säkularisieren. Der Begriff
“freedom of worship” oder Bekenntnisfreiheit ist eine ziemlich
restriktive Vorstellung, die heutzutage oft politisch benützt wird.
Aber unsere Gründerväter hatten nicht die Absicht, die Religion aus
dem öffentlichen Raum und den öffentlichen Angelegenheiten zu
verbannen.
Sie wollten den Bürgern die Freiheit garantieren, ihren Glauben
öffentlich und entschieden leben zu können, und auch, ihre
religiösen Überzeugungen bei der Schaffung einer gerechten
Gesellschaft einzubringen. Religionsfreiheit beinhaltet das Recht,
zu predigen, zu lehren, sich zu versammeln, sich zu organisieren,
sowie die Gesellschaft und die öffentlichen Angelegenheiten prägen
zu wollen – und dies sowohl als Individuen als auch im
Zusammenschluss als Glaubensgemeinschaften. Das bedeutet freie
Ausübung der Religion.
Lesen Sie hier den vollständigen Text von Erzbischof Chaput auf
Englisch. Der Text ist ein Beitrag aus der Publikation „Exiting a
Dead End Road. A GPS for Christians in Public Discourse“ (2011,
Kairos Publications, herausgegeben von Gudrun and Martin Kugler).
Sie können das vollständige Buch als eBook oder im Hardcover-Format
erwerben. Zur Beschreibung und den Verkaufsbedingungen klicken
Sie bitte hier.
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